Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Article
- Jakob Wassermann: Lebensdienst [Rezension]
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 539 (sequence 2)
- Language
- German
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n I P> L 1 () G R A P II 1 E mund Bings Darstellung des Lübens und der Entwicklung des Dichters (,] a k n b W usse r m a n n - Verlag Fromann & Sohn, Nürnberg) ist l'iir Freunde seiner Kunst eine werlvolle Ergänzung gegeben. ERNST LOTHAR: DER HELLSEHER. Paul Zsolnay-Verlag, Wien. Leipzig. Ein Bild unserer Zeit, eine Mischung /wischen amerikanischer Geschäftigkeit und mystischer Spekulation, daher als Ergebnis: rücksichtslose materielle Ausnutzung einer übersinnlichen Begabung. Die Stilkunst Lothars erhebt das Buch zum großen deutschen Zeitroman. FANNY LEWALD: DIE FAMILIE DARNER. Verlag Gräle und Unze, Königsberg, neu herausgegeben von Heinrich Spiero. Mit dieser Neuausgabe wurde für unsere 'Generation ein Name der Vergessenheit entrissen, der in der Zeit seines Schaffens über die Grenzen seiner ostpreußischen Heimat bekannt war. Die Verfasserin, Jüdin von Geburt, schildert die gesellschaftlichen Zustände in Königsberg zur Zeil, als die Emanzipation die Juden als gesellschaftliche Elemente salonfähig werden ließ und die freiheitliche Gesinnung die Schranken, die eine künstliche Absperrung gezogen hatte, niederriß. M—\. UPTON SINCLAIR: BOSTON, Malik-Verlag, Berlin. Im Gegensatz zu Sinclairs letztem Roman ..Petroleum", sind in dem Roman. „Boston" die Hauptpersonen nicht erfunden. Der Kern der Handlung, der Fall Sacco-Vanzetti, ist eine dokumentarisch-getreue Darstellung der Wirklichkeil, sogar die Namen der handelnden Personen blieben unverändert. Man liest es, obwohl das Ende der Sacco-Vanzetti-Tragödie bekannt ist. mit wachsender Erregung. Das erreicht Sinclair durch einen Kunstgriff; er kleidet den Fall Sacco-Vanzetti in eine erdachte Rahmenhandlung. Die Witwe des Exgouverneurs von Massachusetts, die sechzigjährige Cornelia Thornwell, läuft ihrer stolzen, vornehmen, in Konvention erstarrten Familie davon und fristet ein Jahr lang ihr Leben als Arbeiterin. Dabei lernt sie Vanzetü kennen und schätzen. Später wird sie unterstützt von ihrer Enkelin Betty, der Tochter eines allmächtigen Bankpräsidenten, die sich ihrer Familie zum Trotz auf die Seite ihrer durchgegangenen Großmutter" stellte —■ eine der treuesten Helferinnen während der Jahre des Prozesses. Der Roman ..Boston'* wirft: ein grelles Schlaglicht auf die Unkultur nicht nur Amerikas, sondern der ganzen kapitalistischen Welt, in der Menschentum und Gerechtigkeit erstickt werden vom „Justiz-Apparat", der der Willkür der oberen Schichten ausgeliefert ist. :*<) ERZÄHLER DES NEUEN RUSSLAND. Malik-Verlag. Berlin. Rußland spricht, ein Rußland voll blutiger Leidenschaft, hungergepeitschler Not, voll von Liebe zum Boden, zum Volke; gesehen mit den Augen seiner jungen Dichter, erlebt mit der vollen Glut der Revolution, der Neugeburt des russischen Menschen. SCHALOM ASCH. DIE MUTTER. Deutsch bei R. Löwit, Wien-Berlin, 1928. Eine arme Familie zieht aus dem heimatlichen polnischen Städtchen nach Amerika. Wir sehen ihr Leben hüben und drüben. Ein Mädchen opfert Vater, Mutter und dann auch Kind dem Mann, den sie liebt. Sie schürt mit Opfern ohnegleichen seinen Glauben und seine Schaffenslust, und geht still von ihm, als sie merkt, daß ihre Zeit um ist, und von jetzt an eine andere besser ihre Stelle ausfüllen wird. Einer Mutter selbstlos heldenhaftes Wirken wird geschildert. Dies scheint alles abgedroschen zu sein. Und nicht mit Unrecht. Ozeane von Tinte umspülen jedes von diesen Motiven und kaum scheint es denkbar, ihnen Interesse abzugewinnen. Doch nicht neu sind Erde und Sonne und nicht unbekannt das Blühen und Wachsen der Frucht. Und wreil etwas von dieser ursprünglichen, unverwüstlichen Schöpferkraft der Natur in dem Buch ist vermag es trotz abgegriffenem Thema und überwundenem naturalistischem Stil tief ergreifend zu wirken. Menschen leben darin. Dinge gehen vor sich. Es „will" nicht. Es „soll" nicht. Es hat keine Absicht. Es rollt keine