Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Article
- Die Geschichte der Juden in Jebenhausen und Göppingen [Rezension]
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 538 (sequence 2)
- Language
- German
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538 M E N O R A H Aufstieg im Jahre }924 uiilcr 23.000 Einwohnern 450 Juden. Nur vom Standpunkt des um die sichernde Feslhaltung des unwiederbringlich Dahingeschwundenen bemühten Lokalhistorikers ist es zu liegreifen, daß so viel Arbeil und so viel Druckraum an einen solchen Gegenstand! gewandt wurde. Dies einmal zugegeben, bleibt es staunenswert, ein wie reichhaltiges und vielseitiges urkundliches und vor allem statistisches Material der Verfasser zusammengebracht hat. Ähnlich ist ja auch schon seine ebenso umfangreiche, in ihrem Thema aber doch wesentlich erheblichere Geschichte der Juden in Hohenems (Meran, 1905) aufgebaut. Ich liebe aus dem neuesten Buch hervor Häuser-. Steuer-, Eiivwitnderungs- und Abwanderungs- sowie Gewerbestatistiken. Ganz besonders nachahmenswert, weil bisher fast überall vernachlässigt, erscheint mir die von Tänzer gebotene Geschichte der einzelnen Industrie- und Handelsfirmen in Jebenhausen und Göppingen. Die unter Aufsicht des Staates sehr gut geordnete Registerführung ermöglichte es Tänzer, genaueste Listen über Gestorbene und 100 Seilen Stammbäume beizugeben und damit allein schon sein Werk dem Familienforscher wertvoll zu machen. Schließlich sei noch bemerkt, daß Tänzer sein Buch mit überaus eingehendem Inhaltsverzeichnis und ebenso ausführlichem Register versehen hat. Das ist eine Höflichkeit gegen den Leser, die von Verfassern jüdisch-wissenschaftlicher Werke nicht gerade als Selbstverständlichkeit empfunden wird, und soll darum mit besonderem Danke quittiert werden. Dr. J. HERMANN HESSE. TROST DER NACHT. S. Fischer, Berlin. Die Bedeutung der Erscheinung Hermann Hesses kann bei Gelegenheit einer kurzen Besprechung seines jüngsten Gedichtbandes .Trost der Nacht" kaum gewürdigt werden. Seine tapfere, allen Konzessionen abgeneigte Haltung, die Offenheil seiner Zwiespalt in einer zwiespältigen Zeit, die schöne Beharrlichkeit seiner klaren Sprache und Form am Ende der großen romantischen Tradition, von der er abstammt, machen diesen Einsamen liebenswert für alle, die gleich ihm einsam sind, und nicht jung genug, um rasch schlüssig zu sein in ihrer Orientierung auf den Wegen zwischen den Epochen. Sein lyrischer Ton ist bisweilen noch blumenfrisch, wie das Volkslied, dessen Herzlichkeit noch in ihm lebendig ist. obwohl er gar nichts von seiner Einfalt besitzt, und zerrissen und von seelischem Weh gepeinigt ist. wie nur irgend ein Moderner. Seine Nalurnähe führt zu Quellen, aus denen Eichendorff und Mörike geschöpft haben, zu denen er immer wieder zurückkehrt. Ein Klang von Mozartmusik und die bald sanften, bald düsteren Schatten des Todes umschweben diese Gedichte. Tri der standhaften Abwehr des Krieges, in der Ablehnung von Maschine und Sachlichkeit ist das Buch ebenso ausdauernd, wie der ..Steppenwolf", dessen Schrei uns noch in den Ohren klingt. Auch die Ironie fehlt nicht, das schmerzerfahrene Parlando. das den Dichter mit der lyrischen Gegenwart verbindet. Ich persönlich vermisse einige Gedichte, die verstreut in Zeitschriften abgedruckt waren, und die gewiß würdig gewesen wären, in die Sammlung aufgenommen zu werden. Hermann Hesse hat seine Gemeinde, und aifch seine Gedichte werden ihre Leser finden. Sie brauchen das Lob der Kritik nicht. Aber alle jene, die den Weg zum Gedicht suchen, mögen nach diesem Buch greifen, wenn sie auch dann nicht fühlen, wie einem die Melodie eines Verses übers Mark rinnen kann, dann wird ihnen niemals geholfen werden können. E. W. JAKOB WASSERMANN: LEBENSDIENST. Grethlein et Co.. Leipzig. Der Dichter steht heute auf der Höhe seines Schaffens. Was er in drei Jahrzehnten eines reichen menschlichen Künstlerlebens in sich aufgenommen hat. was in seinem klugen Kopfe verstandesmäßig zur Erkenntnis wurde, ist in diesem Buche eingeschlossen. Mag auch manches auf Widerspruch stoßen, Wassermann geht ein Eigener -—- eigene Wege. Aber es ist schön mit ihm zu gehen, zum Schlüsse zu kommen, daß es unsere Wege sind, die er gedanklich gebahnt hat. In Sig-