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Menorah · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. 533

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Article
Viktor Tischler
Date
1929-09-01
Page
533 (sequence 1)
Language
German
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Viktor Tischler Den Maler Viktor Tischler kennzeichne! inmitten seiner Gelahrten die besondere Leichtigkeit seines Werkes. Wie es heute vor uns tritt, ist dieses Werk das Ergebnis jahrelanger ernster Beniiihungen, nicht im Spiel gewonnen und nicht von Laune eingegeben, sondern aus vielen versuchenden Anfängen schrittweis und geradewegs gefolgert. Der Künstler beherrscht wie irgendeiner die bewegliehe und anmutige Impression. Aber auch heute noch kommen die wertvollsten Gaben seiner Kunst erst nach mehrfacher mühsamer Durchbildung von seiner Hand. Und haben trotzdem zuletzt ein glücklich leichtes Wesen. An dieser besonderen Leichtigkeit scheint vieles beteiligt. Da ist fürs erste die Person des Künstlers, einfach, klar, gepflegt und elastisch. Da ist dann sein Auge, das für die Heiterkeiten der wirklichen Umwelt, für den Schwung, Duft und Sinn der Wiener Landschaft wie geschaffen erscheint. Und da ist endlich sein höchst entwickeltes Gefühl für die > om Gewicht der Probleme entlasteten, rein i:ialerischen Werte der Zeit, jene Kultur des Geschmacks, die ihn befähigt, die Wege der Welt zu gehen und doch heimatlich zu bleiben. Er ist seit jeher und immer wieder nach Paris gegangen. Art und Entfaltung seiner Kunst sind ohne den fortwährenden Zusammenhang mit dem vorgeschrittenen maßgebenden Westen nicht denkbar. Aber in keinem anderen Werk ist dieses Pariserische so fein und gewinnend umgedeutet, so wienerisch geworden wie in dem seinen. Eine geschmeidige Hand, ein heiterer Sinn und eine melodische Empfindung wirken hier zusammen, um die befreiende Leichtigkeit hervorzubringen, zu der die Malerei Tischlers heute herangereift ist. Tischler malt heute außer Blumenstücken und Bildnissen am liebsten Häfen mit ruhenden Schiffen, abseitigem Bauwerk und blockartigen Häuserzeilen, immer markante Ausschnitte, meist in jenen Draufsichten, die eine Füllung der Bildfläche mit breiten farbigen Gestalten ermöglichen. Denn darauf, auf die DurchbaiiLing der Fläche bis an den Bildrand, kommt es ihm vor allem an. Diese übersichtliche architektonische 'Form seiner Bilder, eine Form sachlicher, zuweilen gar feierlicher Darbietung, bestimmt den ersten Eindruck. Aber sie bedeutet nicht mehr als das Gerüst der Werke. Denn weitaus wichtiger wird hier die farbige Behandlung. Es geht letzten Endes ums Malerische. Schon in der Mitte seiner Entwicklung war der Künstler auf eine fast leidenschaftliche Weise vom Farbstoff, von der Materie, angezogen worden. Damals entquoll sie, nach Art der Impressionisten, saftig und glänzend seinem ungestümen Pinsel. Dann wurde sie auf großen Flächen beruhigt, aber noch immer prangend ausgespannt. Jetzt ist die Substanz nur noch voller geworden, aber die Farbe ist aufgegangen im Ton. Gelegentlich warm, satt und tief, doch meistens schiefernd oder transparent, verleiht diese Tonigkeit den geslallvollen Bildern ein milderes fluides Wesen, das Merkmal ihrer gereiften Gegenwart. Innerhalb der angezeigten Grenze bedeutet Tischler ohne Zweifel eine Begabung von besonderem Bang. Aber auch ihre Grenze ist nicht zu verkennen. Der Standpunkt dieser Kunst ist mehr ästhetisch als ursprünglich. Sie wählt aus dem Gang der modernen Entwicklungen, was ihrer Art und Neigung gelegen ist, sie säubert es vom Harten oder gar Anstößigen und bringt es mit feinem Gefühl auf die neue schöne Form. Aber es ist mehr ein Sieben und rhythmisches Setzen als ein elementares Gestalten. Der Künstler schafft nicht die Probleme, er behandelt sie nur auf seine meisterhafte Weise. Damit ist auch schon die Antwort aut jene Frage gegeben, die uns hier besonders nahe angeht. Diese Kunst ist nicht im tieferen Grunde jüdisch. Das Problem jüdischer Kunst — Welt, Blut, Sinn und Weise rein jüdischer Gestaltung — liegt abseits von ihrem Wege. Denn sie will nicht den Kampf ums Dunkle, nicht schmerzvolle Aufwühlung und Befreiung, sondern das Glück kultivierter Anmut. Das aber erreicht sie. M. E.

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