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Menorah · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. Seite 516

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Article
Mendelssohns Brautstand
Date
1929-09-01
Page
Seite 516 (sequence 8)
Language
German
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MENORAH nicht zu sehr hintanzusetzen belieben". ,.Man lasse mir die Freiheit, so werde ich nach meinen Grundsätzen handeln; diese werden mich schon lehren, wie ich für meine andre Hälfte sorgen muß.*' Man sieht, der Philosoph weiß eine männlich entschiedene Sprache zu führen — wie es scheint, hat ihn das Mißtrauen des zukünftigen Schwicger- \aters an seiner empfindlichsten Stelle getrotfcn. „Ich muß Urnen meine Schwachheit gestehen, ich pflege selten hitzig zu werden, außer wenn jemand Mißtrauen in mich setzt, aller dann kann ich auch leicht ungeduldig werden und die Schranken der Gelassenheil überschreiten Wie beträgt sich nun die eigentliche Hauptperson dieses heimlichen kleinen Familiendramas, „die Braut Mamsell Fromet" (wie ale auf den Adressen Mendelssohnscher Briefe manchmal heißt), in solcher schwieriger Lage? Wir wissen, daß der gekränkte Freier sie am 2. Juni bat, seinen Standpunkt bei der gestrengen Mutter, ..der vornehmen Frau Vogel'\ zu vertreten; aber leider wissen wir nicht, was sie ihm darauf antwortete. Immerhin — sein nächster Brief ist voller Dank und Freude über das Glück eines Freundespaares, von dem wir noch erzählen werden; er meint, daß die Liebe ihrer Freundin die zurückhaltende junge Hamburgerin verändert habe, ,,wo ich mich nicht betrüge, so hat die Freundschaft ihr Herz auch für die Liebe aufgeschlossen ..." Aus diesem Brief vor anderen tritt uns das Bild der blauäugigen Fromet deutlich entgegen. Von ihren vielgerühmten Braulbriefen ist kein einziger erhalten. Aber wir besitzen Besseres: im Jahre 1767 wurde eine Miniatur von ihr gemalt, deren liebliche Farben uns (freilich nur in einer Wiedergabe) heute noch entzücken. Da ist sie, wie wir sie uns nach den Briefen ihres Verlobten denken; denn Moses Mendelssohn, der vollendete Briefschreiber, besaß ja die Gabe, in den Briefen an seine Freunde und Freundinnen jedesmal die Persönlichkeit des Adressaten widerzuspiegeln — eine Gabe, die vielleicht das Geheimnis jedes echten Briefes ist. Anmutig und ein wenig schalkhaft scheint das zarte Antlitz, dessen Haar auf dem Bildchen schon durch das Spitzenhäubchen der jüdischen Frau verborgen wird; klug und beherrscht, wie man sich die Hamburgerin und die Jüdin aus guter Familie zu denken hat: dabei aber spricht das olfene Auge von großer Herzensgute und von dem besten Gute der Menschenkinder — von unbegrenztem gutem Willen. So gibt ihr Bild sie wieder -■- so geben schon sieben Jahre vorher die Briefe des Verlobten die Mamsell Braut wieder. Man spürt, wie die Tochter aus gutjüdischem

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