Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Article
- Mendelssohns Brautstand
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 510 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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510 M E N Ü R All in sich aufgenommen halte, um es in lurbekümmertier, frei schallen der Phantasie lebendig wiederzugeben. Airer wenn wir uns heul auch nicht mehr zu Auerbachs Erzählung als zu einer unverdächtigen historischen Quelle wenden können: wir Heutigen können eins Um, was Auerbach und seinen Zeitgenossen unmöglich war — wir können die Geschichte von Moses Mendelssohns Brautwerbung so darzustellen versuchen, wie sie uns seitdem aus den Brieten Mendelssohns selbst und aus Berichten der Zeitgenossen klarer vor Augen geführ! worden ist. Die zu dieser Aufhellung besonders aufschlußreichen Briefe Mendelssohns an seine Braut Fromet Ciugenheim waren bisher nur in einem Privatdruck wenigen zugänglich; erst in der im Auftrage der Akademie für die Wissenschaft des Judentums erscheinenden Jubiläumsausgabe der Werke und Briefe Mendelssohns werden sie in der jüdisch-deutschen Originalform und in neuer Übertragung ans Licht treten. Dann aber wird sich vielleicht ergeben, daß diese dokumentarische Schilderung von Mendelssohns Brautstand nicht nur vom Wesen des jungen Freiers, sondern vom Leben der Juden im Deutschland Friedrichs des Großen ein so anschauliches Bild entwirft, daß wir neben dieser Wahrheil keiner noch so ansprechenden Dichtung bedürfen. xvls der junge Moses ben Menaeheiw im Jahre 1743 nach Berlin gekommen war. hatte sich trotz aller "Bedrängnis der Sorge für sein täglich Brot bald um ihn ein Kreis von strebsamer und wissenseifriger Jugend gebildet, der seine Erwartungen weit übertraf. Da war eine Reibe von jüdischen Forschern, deren Streben das gleiche war, wie er selbst es über sein Lehen geschrieben hatte: Vereinigung von deutscher Kultur mit jüdischer Tradition. Alle waren sie von allem Anfang an bemüht, dem eifrigen Schüler zu hellen. Da war der jüdische Ar/t Dr. Kisch aus Prag, bei dem er Lateinisch lernte: der bedeutende Talmudist und hebräische Dichter Israel Samosz. mit dem er Mathematik trieb; und vor allem Aron Salonion (iumperlz. dessen Leben fast wie ein schwächeres Vorspiel des Mendelssohn- Lebens erscheint, (iumperlz vor allem führt den jungen Mendelssohn damals wohl zu dem Kreise des Joachimsthalischen Gymnasiums und zu Maupertuis, dessen Sekretär er war: wichtiger als alles das: -er führt ihn zu Lessing. Und nun bildet sich in kurzer Zeit jener einzige Bund gleichstrebender Freunde, der auf tiefster Übereinstimmung des Wahrheitsuehens begründet war und Verschiedenheiten des Tempera ments, des Lebensstils und der Kindhcitsherkunfl siegreich überwand.