Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Article
- Die Juden in der romantischen Musik
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 502 (sequence 4)
- Language
- German
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502 M E N () R A II streifend. Oft von jener ergreifend naiven Sentimentalität, wie wir sie besonders aus Ilalevys ..Jüdin'/ kennen. Dabei durchdrungen von einem fanalischen Willen /u seiner Kunst, berauscht von seiner Herrschaft, immer aufgeslaehelt zu seinem Zieh Oft versagte1 er. Aber welcher Künstler versagt nicht oft? In seiner Afrikanerin"' hat er noch einmal sein Schönstes gegeben. Bei aller Ungleichwertigkeit von ,.Robert le diable*' bis zur „Afrikanerin*' liegt doch ein Entscheidendes in ihm: das Lyrische. Jenes Lyrische, das in der nachwagnerischen Oper sofort wieder hervortrat. Denn -der Fall Wagner war ein Ausnahmefall, der als solcher das Todesverdikt schon in sich trug. Geht auch die nachwagnerische Musik von Wagner aus: in dem spezifischen Fall W'agner muß sie ihn immer verlassen. Zwei entscheidende Beispiele sind Jules Massenel und August Rungert. Massenel ging von Wagner aus mit ..Maria Magdalena". In seinen folgenden Opern bis ,,Cendrillonv* und ..Gaukler von Nötre Dame" entfernte er sich immer miehr von W7agner und kam immer tiefer zu Meyerbcer. In dem mystischen Gaukler war er vom Dramatiker der Maria Magdalena zum Lyriker geworden. Meyer beer war sein entscheidendes Erlebnis. Ahnlich August Bungert. Dieser einzige deutsche Musikdramatiker, den man neben Wagner stellte und der ohne Zweifel mit seiner odyseeischen Tetralogie ein gigantisches Werk von Ausmaß und Qualität schuf, ging über Wagner hinaus, zurück zu Meyerbeer. Bungert war mehr Lyriker als Dramatiker im Wagnerscheu Sinne. Dies führte ihn von selbst zu Meyerbeer. Es soll hier nicht weiter von Meyerbeers Einflüssen auf die nachw>agnepischen Komponisten gesprochen werden, wiewohl sie größer sind, als man gemeinhin zugibt, und in neuerer Zeit immer mehr wachsen. Meyerbeer ist ein F a 1 l so gut wie Wagner. Wagner war der größere Künstler. Ob er aber auch dem Wesen der Musik näher war? Nietzsche spürte auch in der Musik Wagners den — Schauspieler. l\ omantik geht von der Monumentalität ins Genre. Romantik ist Destruktion der großen Form. Irgendwie verneint sie. zersetzt •sie die Form. Sie kommt aus der Dynamik des Lebens. Ihr Positivstes ist die Ironie. (Tieck: William Lovell). Romantik ist aber nicht Stagnation. Ihr Skeptizismus ist der Träger neuer schöpferischer Kräfte. Jede Epoche der Genialität ist irgendwie Romantik (Skeptizismus). IL V e I i x M e n d e 1 s s o h n