Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Article
- Brandeis der Zionist
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 447 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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BRANDEIS DER ZIONIST 447 beendet war, wurde es deutlich, daß man sich durch die Wahl dieses Mannes unter die Herrschaft eines in diesem Kreise bisher unbekannten Führertypus begeben halte. Die Anwesenden waren sich im ersten Augenblick darüber klar gewesen, daß der glänzende Name des Anwalts der Armen", wie Brandeis gern genannt wurde, ihrer daniederliegenden Sache neuen Schwung zu geben geeignet war. Niemand aber dachte im entferntesten daran, daß Brandeis seine Führerschaft ernst nehmen könnte. Brandeis dankte in knapper Rede für die "Wahl und eröffnete eine Sammlung für den Hilfsfonds mit lausend Dollar. Mehr hatte man nicht erwartet. Man betrachtete Brandeis als ein Paradestück. Als nun das Paradestück gleich für den nächsten Tag eine Sitzung anberaumte, willfahrte man, noch immer in der gleichen zufriedenen und ahnungslosen Stimmung. Die sollte gleich in der ersten Sitzung gründlich zerstört werden. Verblüfft und verärgert sahen die damals führenden Zionisten, wie Brandeis ein langes, erbarmungsloses Verhör anstellte. Der Mann saß da, tippte mit dem Bleistift auf seine Löschmappe und fragte, fragte endlos. Er hielt keine Ansprachen, er gab keine Befehle, er ließ keine Pausen eintreten. Er saß da und fragte. Er wollte sich informieren, er wollte Erklärungen, die die Dinge wirklich erklärten. Er lächelte hie und da einem seiner ,,Zeugen" ermutigend zu, er sprach hie und da lastend die merkwürdigen hebräischen Namen von Institutionen und Orten nach — meist aber blieb er stumm und horchte. Daß er so geduldig horchte, das wrar den meisten eine neue, unangenehme und erbitternde Erfahrung. Als die Konferenz sich vertagte, gab es manche, die sich von Herzen freuten, daß in die abgenützte, müde Bewegung ein neuer Geist gekommen war. Andere waren erschrocken und aufgewühlt, auch betroffen darüber, daß sie sich zu weitgehenden Versprechungen hatten hinreißen lassen. Wieder andere waren sichtlich verzagt und unglücklich. Hj in kurzer Rückblick auf die Ereignisse zwischen 1905 und 1911 wird diese Stellungnahme erklären. Seit 1905 war die Bewegung auf eine schiefe Ebene geraten. Die jungtürkische Feindschaft war ein schwerer Schlag. Der Territorialismus, das Gegenwartsprogramm, der Kullurzionismus hatten Spaltungen hervorgerufen. Wolffsolm konnte sich nur durch immer neue Kompromisse mit den russischen Zionisten am Ruder erhalten. Im Jahre 1908 gab es auf der ganzen Welt hunderttausend Schekelzahler, in Amerika etwas über fünftausend. Im Jahre