Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-07-01
- Page
- 408 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! (Erinnerungen eines jüdischen Kolonisten in Argentinien) Von M. Alperson Aus dem Jiddischen ins Deutsche übersetzt von J. S. (2. Fortsetzung) VIII. Zelte* Kuhmist und allerhand Annehmlichkeiten. Nachdem wir uns drei Wochen lang in Erdhöhlen, Fellzelten und größtenteils im Hauptlager, wo uns das Ungeziefer plagte, herumgewälzt hatten, kamen am Sonntag, den 21. September früh, 850 Leinwandzelte an. Jede Familie erhielt ein besonderes Zelt, ebenso fünf bis sechs Ledige. In AI gor oho — so nannte man den primitiven Meierhof gegenüber dem Verwaltungsgebäude — wurde eine ganze Reihe dieser Zelte aufgestellt. Etwa drei Kilometer von dort, auf dem Comissarioplatze, befand sich ein ähnliches Lager; und so teilte Gerbl das Hauptlager in zwei Teile. Familien mit kleinen Kindern verblieben in Algorobo, während die anderen, die streng orthodoxen Leute, deren Kinder übrigens schon erwachsen waren, weitergeschickt wurden. Einige Ledige aus der .,Gruppe Hinterteil" — sie trugen diesen Spitznamen, weil sie Hinteres aßen, das wir mangels eines Menakers*) nicht genossen — wurden nach „Alice'' versetzt, wo sich eine Scheune mit einem Blechdach, noch vom früheren Besitzer her, befand. In Alice gab es auch einen schönen Wald und Obstgarten, und das alles stellte Gerbl seinen Lieblingen, der „treifenen" Gruppe, zur Verfügung, die später die Ruten wurden, mit denen er uns züchtigte. Sie wurden zu unseren Aufsehern oder „capataz-en" bestellt. Es ist unbeschreiblich, was wir von diesen Leuten erdulden mußlen! Allmählich wanderten sie aber aus der Kolonie aus, die wenigen, die zurückgeblieben waren, hatten später oü'enmütig Buße getan. Nun richteten wir uns in den Leinwandzelten ein. Fleisch gab es in Hülle und Fülle, es ging uns schon zum Halse heraus, wie den Wüstenwanderern die Wachteln . . . Was zum Fleisch am notwendigsten war, nämlich Salz, von dem Gerbl behauptet hatte, daß es in Argentinien nicht zu finden wäre — das entdeckte ein „Litwak". Am Ufer der großen „Lagima", die sich vor dem jetzigen Friedhof hinzieht, bemerkte er einen weißen Salzstaub, ein ziemlich brauchbares, wenn auch undestilliertes Salz. Am schlimmsten stand es mit dem •) Einer, der die zum Genuß verbotene Sprungader vorschriftsgemäß bloßzulegen versteht.