Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Article
- Ilja Ehrenburg. Das bewegte Leben des Lasik Roitschwantz [Rezension]
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 331 (sequence 2)
- Language
- German
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B I B L I O G R A P II I E lein, das durch die Welt geschoben wird — ist mit einer Zärtlichkeit und einem Mitleid gezeichnet, die ihresgleichen nur in Mendelc Mocher Sl'orim — doch auch sarkastischen — Schöpfungen haben. Dessen Geist scheint überhaupt über dieser Erzählung zu schweben. Wer ihn kennt, weiß, daß es ein guter Geist ist. A. G. LUDWIG LEWTSOHN. THE ISLAND WITII1N. Verlag Ilarpers, New York. Nach den vielen Schilderungen des Assimilantentums und den häufigen Darstellungen der Wiederbekehrung zum Judentum, die sich in den letzten Jahren in allen Sprachen mehren — ein Versuch, diese Erscheinungen zu deuten. Man muß schon sagen, ein sehr geistreicher Versuch. Assimilantentum — meint Lewisohn —- ist ein krankhafter Zustand. Er ist Elucht aus einer schmerzhaften Wirklichkeit und Bestreben, das Leben auf einer Einbildung aufzubauen. Mit der Reizbarkeit, Unrast, Arroganz und dem Judenhaß, die ihm eignen, ergibt es ein jedem psychologisch Geschulten bekanntes Bild seelischer Gleichgewichtsstörung. Nur wenn man den verdrängten Komplex —- hier ist es das Judentum — ins volle Licht des Bewußtseins hebt und statt ihn kompensieren zu wollen, mutig ihm seinen Platz im Leben anweist, kann man genesen. Dies aber bedeutet volle Umkehr zum Judentum. An den Schicksalen einer jüdischen Eamilie im Laufe einiger Generalionen wird diese These verkörpert. East wäre man versucht zu sagen: demonstriert. Aus altem Geschlecht stammend, durch und durch Jude, gelangt Reb Mendel aus Wißbegierde an jene Pforte, die aus dem Ghetto nach Europa führt. Seine Kinder betreten den Weg und gehen ihn immer weiter. So verliert das Judentum, das anfangs die ganze Lebensalmosphüre ausmachte, von Geschlecht zu Geschlecht an Umfang und Bedeutung, bis es schließlich zu einer winzig kleinen Insel tief drinnen zusammenschrumpft, die unbeachtet inmitten des vielfälligen Getriebes liegt. Der Urenkel des frommen Reb Mendel ist am Ziel angelangt: dem Judentum völlig entfremdet, heiratet er eine Andersgläubige und Andersrassige —• die blonde Pfarrerslochter Elisabeth Knighl. Doch Arthur Lewy ist. Arzt; Psychoanalytiker dazu. Und so kommt er bald durch Beobachtung eigenen und fremden Seelenlebens zur Einsicht, daß sowohl er als auch seine ganze Umgebung am jüdischen Minderwertigkeitskomplex krankt. Das Judentum in sich zu stärken und I ragfähig zu machen — ist der einzige Heilungsweg. den er andern empfiehlt, und selbst mit aller Entschlossenheit betritt. Daß dabei seine Ehe. deren Schilderung übrigens ganz besonders fein und eindringlich geraten ist. in die Brüche gehl, ist weder von vornherein selbst versländlich, noch durch die Erzählung nahegebracht. Ebenso überflüssig und wohl auch dem spekulativen Ursprung des Romans und seiner symmetrischen Komposition zuzuschreiben, ist der Umstand, daß ein plötzlich auftauchender Verwandter — eine Art deus ex machina — den angebahnten Umschwung beschleunigt. Was aber hier und an manch anderen Stellen des Romans an ihm die Vorherrschaft des Gedankens verbrochen hat, das ist im großen und ganzen durch eben dieser Gedanken Reichtum aufgewogen. Auch rein künstlerisch. Denn die einleitenden Betrachtungen, die jedem Teile vorausgeschickt sind und ihn in weite Zusammenhänge einbeziehen, spannen um die alltäglichen Geschehnisse große Horizonte und werfen aus fernen Sphären auf sie Lichter, in denen die kleinen Begebenheiten und banalen Mensehen ins Überdimensionale und Tragische wachsen. Das interessante und kenntnisreiche Buch ist jedenfalls sehr lesenswert. A. G. ROBERT NEUMANN. SINTFLUT. Verlag J. Engelhorns Nachf., Stuttgart. Die aus der Tagespresse bekannten Figuren der Nachkriegsgeneralion geben sich in diesem Roman Stelldichein. Von dem dank Lebensmillelersalzfabrikation groß gewordenen Industriellen, dem aus ostjüdischem Milieu stammenden Hausierer und späteren Bör-