Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Article
- Der Schwur
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 304 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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304 M E N O R A H schweigen, du er annehme, der Jude sei aus menschlicher Schwäche der Versuchung erlegen. Der Dorfjude beteuerte jedoch, er habe das Geld nicht genommen. ,.Da es mir'*, schloß der Pfarrer. ..nicht lieh wäre, wenn die Angelegenheit vor Gericht käme und meine vorgesetzte Behörde etwas davon erfahren würde, bitte ich Sie, Herr Rabbiner Arak, den Fall auszutragen; ich weiß, daß Sie unter Ihren Glaubensgenossen großes Ansehen genießen; ihr Spruch wird sicher Autorität haben." Sogleich ließ ich den Dorfjuden holen, der einige Stunden von der Stadt entfernt wohnte. Als er kam. hielt ich ihm den Sachverhalt vor, mit dem Bemerken, die peinliche Angelegenheil müsse unbedingt ausgetragen werden. Der Dorfjude beteuerte jedoch mit solcher Entschiedenheit und mit so unerschütterlicher Standhafligkeit seine Unschuld, daß ich als Rabbiner es geboten erachtete, die höchst unliebsame Sache durch einen ..Ausgleich'* beider Parteien aus der Welt zu schallen. Der Pfarrer ermäßigte seine Forderung auf 4000 Kronen und der Dorfjude entschloß sich endlich 2000 Kronen zu zahlen mehr jedoch unter keinen Umständen. Schließlich wollte sich der Pfarrer mit 3000 Kronen zufrieden geben. Dies lehnte jedoch der Dorfjude ab, und es blieb mir nichts übrig, als ihm einen Schwur aufzuerlegen. Ich erklärte ihm, ich wolle ihm nach Vorschrift einige Tage Bedenkzeit geben, um zu verhüten, daß ein Schwur etwa im Alfekt oder unbedacht geleistet werden könnte. Der Schwur wird in Gegenwart, der versammelten Judengemeinde in der großen Synagoge erfolgen und der Jude werde 'dabei seinen Gebelmantel und seine Sterbegefwänder anlegen müssen. Der Dorfjude erbleichte und erklärte, er werde mir am nächsten Tage Bescheid geben, ob er sich dem Eide unterwerfen wolle. Am nächsten Morgen trat er mit allen Zeichen tiefster Niedergeschlagenheit vor mich und erklärte mit zitternder Stimme, er sei bereit zu schwören. So hatte ich nur noch den Tag der Eidesleistung zu bestimmen, doch es kam anders, als ich dachte. Noch am selben Tage erschien der Pfarrer erregt bei mir und erklärte, er verzichte auf den Schwur des Juden, da inzwischen sein Geld gefunden wurde. Ein Bauer seines Pfarrsprengels habe es im Pfarrgarten gefunden, wohin es allen Anschein nach ein Windstoß, während der Pfarrer im anstoßenden Zimmer weilte, durch das otfene Fensler geweht hatte. Der Bauer habe die Summe erst jetzt zurückgebracht, die er hatte behalten wollen; sein Gewissen habe ihm jedoch keine Ruhe gelassen. „Hier aber'*, fuhr der Pfarrer fort. ..stehe ich vor einem Rätsel. Warum