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Menorah · 1929-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1929) · p. Seite 296

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1929)
Article
Henoch Barczynski
Date
1929-05-01
Page
Seite 296 (sequence 1)
Language
German
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M E N () H A I I HENOCH BARCZYNSKI Dieser junge temperamentvolle Maler, der die Welt in heiterein Lieiite sieht, in satten, leuchtenden Farben, ist auf ein Programm, eine Sehule nicht festzulegen. Barezynski, der seit einigen Jahren in Berlin lebt, stammt aus Lodz; er besuchte die Kunst schule in Warschau, arbeitete bei dem Bildhauer Henryk Glicenslein und ging dann als ein Schüler Otto Gußmanns nach Dresden. Bei einem internationalen Preisausschreiben für ein Werbeplakal des Boten Kreuzes in Paris erhielt er 1925 der ersten Preis. Aul" Reisen im Süden malle er in Mailand und Genua, in Madrid, Saragossa und Toledo. Malta nach der Natur t'arbkräl'tige und lebensechte Bilder, schimmernde Malen Frankreichs, Matrosen mit wilden Gesiebtem und grotesken Mützen, Kinder in malerischen Lumpen, spanische Nonnen, Stierkämpfe in Madrid. Zigeuner mit verträumten Augen — all das ohne Manier, unbefangen und ganz der Farbe und Bewegtheit des Lebens hingegeben. In Berlin beginnt er dann die Reihe seiner jüdischen Bilder, bei denen allerdings expressionistische Einflüsse seine Figenarl abbiegen und das Vorbild Chagalls sich in Stollwahl, Auffassung und Vortrag stark geltend macht. Wenn hier auch der Künstler an eigener Note einbüßt, weisen doch in der Farbgebung und in der Kraft, mit der er die Motive herausarbeitet, auch diese Bilder das Malerlalent. Sein winklig-dürftiges Elternhaus in Lodz malt er im Spiele sich kreuzender Sonnenstreiien, ein grotesk verschlungenes, abschiednehmendes Paar davor (wie er überhaupt es liebt, das Groteske zu betonen). Einen jüdischen Wasserträger, der mit seiner Last durch den Schnee vor einem polnischen Dorfe ' stapft, läßt er wie die Zufriedenheit selbst daherkommen, mit glücklich versunkenem Antlitz über der trostlosen Verschneitheil. Eine jüdische Familie bei der Feier des Laubbüttenfestes malt er mit verklärten Gesichtern und Händen. Dunkelglühend wie verhaltene Freude sind die Farben des Bildes ..Sukkesslimmung"; groß und symbolisch mall er vor den Hintergrund seines heimatlichen Dorfes einen Juden, in dessen beseelten Händen die Sinnbilder der Fruchtbarkeil aufragen, über die Dächer fort in den Himmel. Neuerdings hat Barezynski, nachdem er in seinen Zeichnungen kurze Zeil noch unler dem Einfluß van Goghs stand — wie viele dieser Generation — sich von fremden Vorbildern gelöst und, zurückkehrend zu eigener Art, sich wieder dem Malen nach der Nalur zugewandt. Er ist noch im Suchen, hat eine Lösung noch nicht gefunden. Aber seine ausgesprochene Malerbegabung und sein reiches Temperament geben die Hoffnung, daß dieses junge Talent eine glückliche Entwicklung nimmt. Will Pless ^Xfir zeigen aus der Kolonie der ostjüdischen Künstler, die sich vor und nach dem Kriege in Paris niedergelassen haben, einige interessante Arbeiten und Versuche1. Die Plastiken .1 a k o b Luis c h a n sk y s. die von einem ernsten künsllerisclu'n Wollen zeugen, werden bereits allgemein geschätzt. Den Künstler zeichnet ein stark entwickeltes Formgefühl, gepaart mit einer gewissen herben-Sentimentalität aus. Die dekorativen Entwürfe des Malers S i m o n L i s s i in stehen unverkennbar unter dem faszinierenden Einfluß seines großen Landsmanns Leon Baksl, wenn auch die Mannigfaltigkeit der Begabung des Künstlers und eine starke persönliche Note darauf hinweist, daß sein künstlerisches Selbst sich gegenüber seinem Meister durchsetzen wird. Die am besten gelungenen Werke Lissims sind die Dekorationen und Kostüme für die Aullührungeii russischer Opern in Barcelona und Brüssel. E u g e n i e S a b s o \ i Ich - S a v y, eine Kunstgewerblerin von Rang, versuch! unter dem Eindruck von Studien der letzten archäologischen Forschungen in Palästina, bisher hauptsächlich in Metall ausgeführte Kultgegenstände in keramischer Technik unter Verwendung archaisch-jüdischer Motive neu zu schaffen. Form und Ausführung zeigen das Streben. Gegenstand und Symbolik mit neuzeitlicher Wohnkultur in Einklang zu bringen, um ein selbstverständliches Einpassen häuslicher Kultgegenstände in die moderne Wohnung zu erzielen. J.—■

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