Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 292 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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292 MEN ü R A Ii und mit Hilfe meiner Frau, dieser lreuen Seele, die während der dreißigjährigen Kolonisalionsarbeit nicht minder als ich gelitten, sieh geplagt und abgerackert hat, spannte ich sie über drei zu einem Dreieck aufgerichtete und vom Walde entlehnte" Pfeiler, und ein Zelt, wie zu Urvater Adams Zeiten, stand fix und fertig da. Welche Freude hatte dann meine Frau, als sie die Kinder unter das Zigeunerdach bringen konnte. Dem ältesten Sohne befahl sie, auf die Kinder achtzugeben, und wir selbst begaben uns. um weiches Gras für das Lager zu suchen. Unser Gepäck bekamen wir erst sechs Monate später, und sehr vielen ist es ganz verlorengegangen. Nahe an der Stelle, wo sich jetzt der Friedhof von Maurizio befindet, schnitten wir mit unseren Klappmessern frisches Gras, streuten es unter die Pferdehaut und holten dann unsere Habe aus dem Frauenzelt: drei SchitVsdecken, vier Blechschüsseln, eine Kiste und ein Bündel mit Fetzen . . . Und nun wurden wir mit Gottes Hilfe Inhaber einer eigenen Behausung in Argentinien! Wir halten noch einige Stücke Zwieback und Fleisch, die wir uns zum Nachtmahl gut munden ließen und mit Sonnenuntergang lagen wir bereits unter unserem eigenen Dach und schliefen gut. Furcht kannten wir damals noch nicht. Die zaubernde Hofl'nung webte reiche Illusionen über eine glückliche Zukunft. Am Morgen befiel uns ein Schrecken. Meine Frau bemerkte irgend etwas Bundes an ihrem Lager. ..Sieh doch", wandte sie sich an mich, „ich glaube, es ist was Lebendiges". Es war eine grüne, auf dem Rücken schwär/gefleckte Schlange, die zusammengeringelt lag. Ohne viel nachzudenken, einzig vom Impuls der Furcht gelrieben, daß sie den schlafenden Kindern nichts antue, trat ich ihr sogleich auf den Kopf. Das Lager war jedoch weich, die Schlange lebte und ringelte sich um meinen Stiefelschaft. Als Unerfahrener, dem solche Gefahren fremd waren, war ich jedoch nicht ängstlich, sondern ließ mir von meiner Frau ein Messer reichen, schnitt der Schlange den Kopf ab und hängte ihn dann als Trophäe auf das spitze Dach des Fellzeltes. Kaum daß wir uns erholt hatten, bekamen wir es wieder mit der Angst zu tun. Drei Reiter auf geschmückten Rossen umringten unser Zelt. Zwei von ihnen erkannte ich sogleich: es waren Gerbl und Tiracini. Der dritte war ein fremder dunkelbrauner Mann mit sehr großem Schnurrbart, schwarzen Augen und einer platten Nase; seine Unterlippe hing über einen kohlschwarzen Bart herab. Alle drei