Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Article
- Das Judentum in der Geschichte Schlesiens
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 277 (sequence 5)
- Language
- German
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DAS JUDENTUM IN SCHLESIEN 277 Ersteiv vielfach mit menschlich-figuriden Darstellungen: Moses und Aron, eine Anordnung, die besonders im Osten beliebt war und bis ins 19. Jahrhundert immer wieder bevorzugt erscheint: auch hier mit bemerkenswerten Abarten, und meines Kruchtens zumeist Erzeugnisse jüdischer Silberschmiede. Ungemein lehrreich war Ferner die Schaustellung der Paramente und Thoramäntelchen. Im Gegensatz zu den sonstigen Kultusob jcklen, zu denen vielfach Leihgaben anderer Museen (besonders Wien) herangezogen wurden, hallen hier Breslauer und sonstige schlcsische Archive werlvolles Material zur Verfügung stellen können. Neben den zum Teil überaus kostbaren, eigens zu diesem jüdischen Kulluszweck erstellten Stücken, tiefen solche auf, die fromme Spender aus kostbaren, christlich-profanen Zwecken ursprünglich dienenden Stickereien halten adaptieren lassen. So ein Thoravorhang aus Gingau, dessen jüdische Embleme und Beschriftung in anfallendem Gegensatze stellen zu den hochwertigen Goldstickereien der ursprünglichen (Schlitten-?) Decken. Etwas ähnliches sehen wir an einem Thoramäntelchen. dessen Erstellungsdatum etwa das Jahr 1720 sein dürfte. Auch hier der Gegensatz zwischen der hochwertigen Goldstickerei auf dunkelrolem Sammet und dem nüchternen Brokatschilde des Mittelfeldes. Da 13 die Decke ursprünglich nicht zu kultischen Zwecken angefertigt war. erweisen besonders schlagend die Glorienscheine des Reichsadlers.4) Ein letzter Raum endlich enthielt in Vitrinen kostbare Inkunabeln aus dem reichen Besitz des Jüd.-theol. Seminars in Breslau, sowie u. a. auch den ..Breslauer Machsor" (13. oder 14. Jahrhundert), das illuminierte1 Meisterwerk eines Schülers des R. Meir v. Rothenburg, über das Dr. Martin Plessner in Nr. 2/1927 dieser Zeitschrift eingehend berichtet hat. Bilder Breslauer Persönlichkeiten und solche1 der einheimischen Malerbrüder Henschel ergänzten die besondere Note, die dieser Raum aufwies. Wie schon eingangs hervorgehoben, lag ein besonderer Wert dieser Ausstellung in der Betonung des Kulturellen und Geschichtlichen. Sie sollte auch den Beweis erbringen, daß das Judentum mit den Geschicken des schlesi sehen Landes seit 800 Jahren verbunden ist. Diese Erkenntnis mag nicht nur das jüdische Bewußtsein gestärkt haben; auch ihre apologetische Auswirkung muß besonders hervorgehoben werden. «yv^l. des Verfassers: „Synagogen^-Kirchen in Schlesien, Aufsatz in der preuß. Minist.- Ztschr. Denkmalpflege und Heimatschutz''. Berlin 1020. '-) Von Dr. Erich Klibansky; vgl. auch dessen Aufsatz in „Schles. Geschichcsblätter4 Nr. 2, 1920. a) Ost und West, Heft 1 und 2, 1022 (Tass. a. d. Sklowerschul-Breslau). Denkmalpflege und Heimatschutz. Heft 4—G, 1925 (die alte Landschul' und ihr Inventar). *) Dieser Adler des „heiligen römischen Reiches deutscher Nation", der bis lsOG dessen Wahrzeichen darstellte, ist wiederholt hei Menoroth und Synagogenleuchtern angewendet worden, stets aber ohne Glorienscheine, die man als spezifisch christliches Symbol vermied.