Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- Roger Martin du Gard: Die Thibaults ... [Rezension]
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 232 (sequence 2)
- Language
- German
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232 MENORAH Menschen und Schicksalen wird eine Epoche festgehalten. Antoine, der junge Arzt, der Schüler Jaques, sein Freund Benjamin und all die liebenswerten Frauengestalten, sie grüßen uns in jeder neuen Lebenslage und Episode wie alte Freunde, wie lebendige Menschen und auch (die Gestalt der schönen Jüdin, die in das Leben Antoines tritt, um nach einer glühenden Leidenschaft, die beide Menschen für kurze Zeit bindet, in ihr abenteuerliches Leben zu entschwinden, bleibt uns unvergeßlich. Die Geschichte einer Familie nennt sich das Buch, es ist aber weit mehr als das: es ist lebendiges Frankreich, mit dem wir in Berührung kommen. Die Thibaults können unstreitig zu den größten und repräsentativsten Romanen gerechnet werden; sie setzen die Reihe fort, die Romain Rolland mit seinem Jean Christof begonnen hat. F. KLABUND: „BORGIA". Phaidon-Verlag, Wien. Den Roman einer Familie nennt der Dichter dieses Buch. Freilich von Familiensinn in sentimentaler Deutung findet sich wenig bei diesen Geschöpfen, die jenseits von Gut und Böse ihre Handlungen nur danach bewerten, ob sie auch das ersteckte Ziel gewährleisten. Die ganz eigenartige Sprache läßt uns ihr Schicksal miterleben, die Menschen werden nicht monumental entrückt, obzwar die Riesengestalt des Papstes Alexander VI. allein uns heute anmutet, wie den Sagen der Antike entsprungen. — Der Roman Borgia war das letzte Werk eines begnadeten Dichters. Fe. BRUNO FRANK: POLITISCHE NOVELLE. Ernst Rowohlt-Verlag, Berlin. Der Sprache dieses Buches, von einem begnadeten Künstler geschaffen, entringt sich das Bekenntnis zu einem neuen von Haß und Raubgier gereinigten Europa. Ein deutscher Staatsmann, für dessen Figur charakteristische Züge verschiedener führender Politiker Deutschlands entlehnt sind, trifft nach längerem Aufenthalte an der Südküste in Marseille zu einer entscheidenden Besprechung mit einem französischen Politiker zusammen, der ein äußerst gut gelungenes Porträt Briands verkörpert. In ihrer Unterhaltung entsteht das Bild der neuen Zeit, die so herbeigesehnt wird, aber doch nicht so rasch kommen will. Bevor er aber noch die deutsche Heimat wiedersieht, ereilt ihn im lasterhaften Gewühl der Hafenstadt der Dolch des Raubgier verkörpernden Afrikaners. Von eindringlicher Wahrheit sind auch die Gespräche der ihre Chefs begleitenden, jüdischem Haus entstammenden, Sekretäre. Das Werk, das vor kurzem in französischer Übersetzung in Paris großes Aufsehen erregte, will und sollte überall gehört werden. .. . ert. SIEGFRIED SIEWERTZ: DAS GROSSE WA¬ RENHAUS. Verlag Otto Quitzow, Lübeck. Ein liebes, unterhaltendes Buch von dem jovialen Warenhausbesitzer Goldmann, der mit dem schon legendär gewordenen Hausierkasten an der Küste des Nordlandes Schiffbruch gelitten hat, um nach arbeitsreichem Leben als reicher Mann, aber ebenso einsam wie ihn das Meer ans Land geworfen, seine Tage zu beschließen. Die Unpersönlichkeit der modernen Wirtschaftsformen geht über einen genialen Schöpfer hinweg, der mit Humor seine Entthronung miterlebt und, Symbol genug, sein Vermögen dem im Warenhaus geborenen, von ihm adoptierten, früh verwaisten Alfred hinterläßt, nachdem er noch im Testament zum letzten Male seiner jüdischen Tradition, Vorsicht und Wohltun, auch über das Grab hinaus gerecht zu werden sucht. .. . ert. COLIN ROSS: DER WEG NACH OSTEN. F. A. Brockhaus-Verlag, Leipzig. Das Buch, kurz nach dem Friedensschluß entstanden, führt uns in die rätselhafte Welt des europäischen und asiatischen Rußlands. Trotzdem es nun mehrere Jahre alt ist, hat es nichts an seiner Aktualität verloren, denn die politischen und ökonomischen Bedingungen, mit denen jeder Politiker und Kaufmann rechnen muß, sind hier mit besonderem Scharfblick festgehalten. H—x. PIONIERE UND HELFER. Literarische Sondernummer. Unter der Redaktion Dr. Martha Hofmann erschien eine Sondernummer dieser von der Wizo (Weltorg. zion. Frauen) herausgegebenen Zeitschrift, die in äußerst glücklich gewählter Form den kulturellen und praktischen Fragen der mit der Renaissance des Judentums verbundenen Frauenbewegung Ausdruck verleiht. JOHANNA ABELES & SOHN MIEDERSPEZIALITÄTEN WIEN, I, ROTENTURMSTRASSE 23 Herausseber Dr. Norbert Hoff mau n, Eigentümer und Verleger ]i abrith-Verlagsgesellschaft m.b. H. sämtlich Wien, I., Zelinkagasse 13. Verantwortlicher Redakteur Friedrich Matzner, Wien. V., Margaretengürtel 22. Druck der Waldheim-Eberle A.. G. (verantwortl.: Karl Wieland), Wien, VII. Seidengasse 3—11.