Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 228 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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228 MENORAH JÜDISCHE LEHRE UND LEHRER Die jüdische Gemeinde in Kiew soll von der Auflösung bedroht sein. — Der rabbinische Rat von Algier beschloß, um der zunehmenden Zahl der Übertritte zum Judentume entgegenzuarbeiten, keine Übertrittsgesuche mehr anzunehmen. WISSENSCHAFT UND KUNST Bei Beth Alpha wurde ein Mosaikbaden mit hebräischen Inschriften und Bildern, Reste eines Synagogenbaues aus den ersten Jahrhunderten nach der Zerstörung des Tempels, entdeckt. — Die Petersburger Gesellschaft für jüdische Volksmusik feiert ihr 20jähriges Bestehen. Sie hat in dieser Zeit mehr als 1000 Konzerte veranstaltet. — „Oben und unten", das erste Theaterstück des Dichters Dav. Bergelsohn wird im staatlichen Theater in Witebsk zur Uraufführung gelangen. — Rabb. V. Großmann (U. S. A.) hinterließ seine 5000 Bände umfassende Bibliothek der hebräischen Nationalbibliothek in Jerusalem. — Die Habimah wird im September eine neue Tournee beginnen. — An der Münchner Universität ist ein Lehrstuhl für die Wissenschaft des Judentums errichtet und Dr. Prys mit dem Lehrauftrag betraut worden. — In Berlin starb der Maler Ernst Oppler. — Auf Kreta wurden die Reste einer Synagoge aus der Zeit Philos mit hebräischen und griechischen Inschriften entdeckt. UNSERE ZEIT Einstein Jedem Naturforscher muß eine Art religiösen Gefühles naheliegen; er soll das Bewußtsein eines Kindes hegen, das der Erwachsenen „überlegenes Walten zu begreifen sucht". Diese Worte des nun fünfzigjährigen Albert Einstein, die sein Freund und liebevoller Biograph Alexander Moszkowski uns vermittelt, sagen vielleicht mehr vom Wesen und Wirken des großen Physikers, als hundert Erörterungen seiner Leistung und Darstellungen seines Lebens es vermöchten. Vor acht Jahren ist Einstein mit seiner Relativitätstheorie in die Öffentlichkeit getreten, eine Theorie, die, hält sie allen Nachprüfungen stand, einen neuen Galilei'schen Umsturz im Erkennen der Naturgesetze herbeiführen muß; erst vor wenigen Wochen hat der Forscher eine ebenso revolutionierende Theorie über die Gleichartigkeit der Grundgesetze der Mechanik und Elektrizität aufgestellt. Einstein steht heute auf der Höhe des Lebens und im Lichte vollster Anerkennung, mit Denkleistungen, die denen Newtons und Kopernikus' gleichkommen. Und dieser Mann ist — er hat es natürlich oft und oft zu spüren bekommen — Jude, nicht nur der Abstammung nach und in jener gewissermaßen religiösen Demut, mit der er zu seinem Werke steht, sondern auch mit seinem Bewußtsein; er gehört zu den wenigen großen Männern jüdischen Namens, die ihrem Volke (und damit auch sich) jederzeit treu geblieben sind. Sohn eines unbemittelten jüdischen Elektrotechnikers, verbrachte Albert Einstein, der in U1 m geboren wurde, seine Jugend in M ü n c h e n, seine Lehrjahre — bittere von Dürftigkeit beengte Jahre — in der Schweiz. Sein Leben war reines Denken (er war kleiner Beamter des Züricher Patentamtes, als er 1905 durch seine Beweise der Lichtquantentheorie, auf denen sich die Entwicklung der Photochemie aufbaut, bekannt wurde) und so ist dieses Leben auf die Höhe gelangt. Doch nicht im Sinne einseitiger, weltfremder Stubengelehrsamkeit, sondern in jener Weite des Blickes, der durch Raum und Zeit gleitet. Deshalb stellt wohl Einslein sein Werk, wie jede wissenschaftliche Leistung in Beziehung zum Völkerfrieden, deshalb wohl ist er stolz auf seine Zugehörigkeit zum Judentum, hat Ehrfurcht vor der jüdischen Tradition und Vertrauen auf die Zukunft seines Volkes. Seit einem zufälligen Besuche Palästinas zu Anfang 1914 — auf einer Rückreise von Japan — ist Einstein mit der zionistischen Bewegung verbunden. Die geistige Renaissance seines Volkes ist ihm Herzenssache; er gehört zu den eifrigsten Förderern der hebräischen Universität in Jerusalem, deren physikalisches Institut seinen Namen tragen wird. Und er erkennt sehr wohl, daß diese geistige Renaissance des Volkes nur möglich ist, auf der Grundlage einer wirtschaftlichen und sozialen Regeneration; daher nimmt er am Aufbau des jüdischen Palästina nicht nur distanziert mitfühlend, sondern aktiv anteil. Eine Persönlichkeit von seltener harmonischer Art, ein Mensch von bescheidenem Wesen, ein Denker von größtem menschlichen Format, das ist Einstein, ein großer Sohn des jüdischen Volkes, den es mit um so stolzerer Freude heute feiert, weil er zu ihm steht. —fz. Revolutionstalmu disten Die passive Pogromqualifikation, die in früheren Jahren im russischen Zarenreiche alle Juden des Ansiedlungsrayons, ohne Unterschied der Klasse und des Standes, besaßen, ist im neuen bolschewikischen Rußland, wo das Proletariat eine privilegierte Stellung innehat, sinngemäß auf die jüdischen Proletarier übergegangen, auf die privilegierte Klasse der jüdischen Fabrikarbeiter. Die deklassierten jüdischen Bürger und Klein-