Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- Samuel Jacobs
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 224 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2912821-2912891-2912895-2923385--07725-2923549- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
224 ME N ORAH Der Vater war ein alter Mann, der nur die Alte Welt kannte, den die Neue Welt unberührt gelassen, den sie nichts gelehrt, den sie nicht verändert hatte. Und nun der Bankrott. „Begreifst du nicht, Vater? Es war ein Irrtum, jemand hat sich geirrt." „Ehrliche Menschen machen nicht Bankrott", wiederholte Jacobs. Seine Stimme klang hart. Er wußte nicht, was er denken solle, wußte nur, daß hier Vorsicht geboten war. Er fühlte, daß er am Rand eines furchtbaren Abgrundes stand. Sein Sohn gehörte zu einer bankrotten Firma. Menschen machen Bankrott, wenn sie ihre Schulden nicht bezahlen oder aber etwas zurückhalten wollen, das nicht ihnen gehört. War sein Sohn so? War sein Sohn ein .. .? Er ließ das Essen unberührt stehen, erhob sich, legte die Hände auf den Rücken und schritt im Zimmer auf und ab. Die Frau, den unvermeidlichen Streit ahnend, setzte sich auf einen Sessel bei der Tür und wischte sich verstohlen mit der Schürze die Augen. Der alte Jacobs ging auf und ab. Was wollte der Sohn jetzt noch von ihm? Er hatte Bankrott gemacht, sein Sohn war ein Bankrotteur. Ein Mensch, dem die anderen Menschen ausweichen wie einem Aussätzigen. Was wollte er denn noch? Welche anderen Welten wollte er noch zerstören? „Vater," sprach Sam, „ich will nicht mehr ins Geschäft gehen. Will bei dir bleiben und lernen. Möchte sein wie du." Er konnte dem Vater seine Gefühle, seinen Ekel vor dem Ganzen nicht erklären. Der alte Jacobs schritt noch immer in der Küche auf und ab. Seine Hände hielten sich fest, als suchten sie beieinander Hilfe. Der Sohn wollte nicht mehr arbeiten. Er wollte lernen. Wollte werden wie der Vater, der sein ganzes Leben dem Wissen weihte. Er wollte... „Du Dieb!" schrie er. Die Frau schluchzte lauter und lauter. Die Tränen würgten sie in der Kehle. Sie wagte nicht, aufzublicken, fürchtete sich vor dein, was sie sehen würde. Der alte Jacobs stand vor seinem Sohn und sah ihn mit furchtbaren Augen an. „Du Dieb! Du willst im Gesetz lesen, du, der im Schmutz gewatet hat! Du willst lernen. Du willst mit deinen Diebshänden das Heilige Buch berühren. Du .. ." Sam erschrak. So etwas hatte er noch nie erlebt. Er hatte geglaubt,