Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- Wort und Tat
- Date
- 1929-03-01
- Page
- 152 (sequence 1)
- Language
- German
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WORT UND TAT Zwölf Jahre von den Römern unentdeckt, Saß Simeon im Hohl engrund versteckt. Seine einzige Speise : des Brotbaums Frucht, Sein Trank: ein Quell in tiefer Schlucht, Seine Lust: sein Knab und Gottes ^X^ort, Erforscht und gelehrt an verborgenem Ort. Da scholl der Ruf: „Der Kaiser ist tot, Die Lehre ist frei und geendet die Not!" Und Simeon schritt aus dem dunklen Raum, Der Frühling lachte von Busch und Baum, Der \(/ind ging harfend durch Gras und Ried, Vom Feld her tonte des Landmanns Lied. Die Arbeiter zogen lachend hinaus, Und Kinder pflückten sich Blumen zum Strauß. Da finsterte sich des Rabbi Blick. „Vergessen so schnell unser trübes Geschick? Das lebt und Jacht, als hätt* nie im Land Ein Tyrann die heilige Lehre verbannt." Da tont eine Stimme : „Zur Hohle zurück f Du kennst nicht der Arbeit VVert und Glück." Und Simeon murmelt, in sich gekehrt: „Zwölf Jahre geduldet, zwölf Jahre gelehrt — — Doch des Knaben Auge durchflammt helle Glut: „,0 Vater, wie wächst mir die Kraft und der ltf.ut! \(fas du mich gelehrt, nun erkenn ich es klar, ^Wohin ich schau, stellt Gott sich mir dar. ftdir wird so leicht, so froh zu Sinn, Es zuckt in der Hand mir zum Saaten hin. J^Ieine Augen glückselig die Flur durchspähen, •O laß mich graben, o laß mich säen!" Und sinnend blickt Simeon lange ins Land. Dann faßt er lächelnd des Knaben Hand. „Der Nebel von meinen Augen fällt. — Das Wrort und die Tat, sie erhalten die ^X^elt." ^Aus dem Gedichtbande „Kämpfen und Bauen" 1/erlag 7*f. Clogau, Hamburg Jakob Loewenberg