Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1929)
- Article
- Eine bedeutende Sammlung jüdischer Altertümer
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 106 (sequence 1)
- Language
- German
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Eine bedeutende Sammlung jüdischer Altertümer In letzter Zeit mehren sich die Angebote jüdischer Kunst denkmäier, ohne daß dabei immer eine wesentliche Bereicherung in Form und Qualität vermerkt werden kann. Die gewöhnlichen Filigrantürmchen, die dörf lichen Zinnarbeiten und die ein Fachen Stickereien beherrschen den Markt und werden oft zu ungewöhnlich hohen Preisen angeboten. Großer Formenreich 1 um und einige außerordentliche Raritäten sowie eine ganze Reihe schöner Bessomhnbüchsen und Gürtelschnallen, wie jetzt in der Kollektion der Firma J. Kauffmann, Frankfurt am Main, muß besonders hervorgehoben werden. Das llauptstück der Sammlung ist der Thorasehrank aus Silber, teilweise vergoldet, reich mit Pflanzen- und Tierschmuck versehen und in der Art der berühmten osteuropäischen, hölzernen Thorawände gehalten. Eine außerordentliche Seltenheit sind die Stücke aus Porzellan bzw. aus Fayence, unter denen zwei Krüge für den Seder mit farbiger Bemalung, Inschriften und Pflanzenwerk besonderes Interesse erregen dürften. In diesem Zusammenhang wäre auch einer der sehr seltenen, geschliffenen, gläsernen Pokale mit einer Darstellung des Sedermahles in der Art der Bragadini Hagadah zu erwähnen. Für das Pessachfest ist auch die reizvolle Charossethschale, ein karrenschiebender Mann auf einer Schale mit Fußgestell bestimmt. Die Menoroth für das Chanukkahfest sind in dieser Sammlung durch eine Anzahl erlesener Stücke vertreten. Am außergewöhnlichsten dürfte eine Uhr sein, die zwischen einem Portikus hängt, in dessen Fußgestell sich die Oelbehälter der Menorah befinden. Ein Fabeltier, halb Fisch, halb Vogel, mit Oreifenklaucn und 8 Vogelhälsen, stellt eine bisher noch nicht vorgekommene Abweichung von dem gewöhnlichen Typ dar. Dieser wird durch eine Menorah mit Rückwand vertreten, deren überaus reicher Dekor im Zusammenhang mit dem zuerst erwähnten Thorasehrank gesehen werden muß. Die Bessomirnbüehsen, von denen sich im ganzen 27 in der Sammlung befinden, zerfallen in zwei Hauptgruppen, die Türme und die Blumen- bzw. Nardcnformen. Reich vertreten sind auch die Jadajim und die Schilder für die Thora; Kesser, Rimoniru. Thoramantel, Wimpel, Vorhang für den Thorasehrank und eine Miniaturthora vervollständigen diesen Teil der Sammlung. Verschiedene Schüsseln und Becher für den Seder, Sabbalhlcuchtcr, Sabbathringe und vor allem ein Schach für den Sabbath müssen noch hinzugefügt werden. Der Gürte» für den Versöhnungstag, zum Teil mit einem schönen Gurt aus Silbertresse ist in verschiedenen Exemplaren vorhanden, die sieh alle durch einen besonderen Formenreichtum auszeichnen. Silberne Buchhüllen, sowohl runde für die Megillath Esther a?s auch die üblichen für Bibel und Gebetbuch zeigen reichen Schmuck und zum Teil figürliches Bildwerk. Sechs Paar Thefillni - kapseln ergeben eine wohl selten in dieser Schönheit und Fülle bekannt gewordene Reihe. Beschneidungsgerät, eine prachtvolle Pidjan-Haben-Schale, Brautringe, Mesusoih, Schadaj, verschiedene Ringe und Medaillen -vervollständigen diese hundcrtscchzchn Stück umfassende Sammlung. Eine Sammlung von diesem Formenreichtum und solcher Seltenheit sollte, wenn es irgend möglich ist, in Europa bleiben, um hier der Forschung, aber auch als Vorbild künstlerischer Neuschöpf ungeu zur Verfügung zu stehen. E. Toeftitz.