Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1929)
- Article
- Entwürfe für eine Synagoge
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 86 (sequence 1)
- Language
- German
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ENTWÜRFE FÜR EINE SYNAGOGE Es braucht wohl nicht erst langwierig erwiesen zu werden, daß sich der Tempelbau, vielleicht die wichtigste Angelegenheit jüdischer Architektur außerhalb des heiligen Landes, seit langem schon im argen befindet. Jedermann kennt in seinem Kreis diesen unerfreulichen oder geradezu beschämenden Zustand. Und wir in Wien kennen ihn am besten. Denn wir überblicken hier ein Jahrhundert vollgültigen jüdischen Lebens — ein Jahrhundert ungültiger Tempelkunst. Unter solchen Umständen muß jedes Anzeichen einer neuen Belebung sorgfältig beachtet werden. Es stellt sich diesmal von unerwarteter Seite ein: Josef Hoff mann hat für das slowakische Städtchen Sillein einen Tempel entworfen. Vorerst ein paar Worte über den Mann. Er ist ein Meister seines Faches. Mit seinem Namen ist die neue Blüte des Wiener Kunstgewerbes verknüpft, dem er eine vorbildliche Schule und eine durch Jahre führende Werkstätte bereitet hat. Das moderne Ausstellungswesen hat von ihm die fruchtbarsten, grundlegenden Anregungen empfangen, seit zwei Jahrzehnten stehen alle Darbietungen unseres Handwerkes im In- und Ausland unter seiner Obhut, in Rom, Köln, Leipzig und Paris hat er diesem Handwerk festliche Häuser errichtet. Die Art und Kunst des Architekten zeigen vor allem die vielen Villen seiner Hand in den Gartenvierteln von Wien. Nun hat ihn zum ersten Male das Projekt eines Tempels beschäftigt. Den Anlaß gab die neologe jüdische Gemeinde in Sillein, die ihn vor kurzer Zeit — neben zwei anderen namhaften Künstlern — eingeladen hat, an einem Wettbewerb für ihre neue Synagoge teilzunelimen. Das war für einen, der bisher keine Kenntnis von den jüdischen Dingen hatte, nicht leicht. Denn wenn ihm auch die Lage und das Ausmaß des Bauplatzes bekanntgegeben war, die Funktion des Raumes mußte er selbst ermitteln und aus dieser Funktion die Form herzuleiten suchen. Und eben hier ergab sich ein Vorfall, der schon allein das allgemeine jüdische Interesse verdient: Seit einem vollen Jahrhundert ist man fast überall der Meinung, daß zu einem richtigen Tempel auch eine Kuppel gehöre. Der Ursprung dieser Meinung ist nicht schwer zu erraten. Das Volk hielt und hält die Kuppel für eine Form und ein Sinn-