Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Memorbücher
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 708 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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708 M ENOR A Ii textes bis zu den herrlichsten von der kunstge wandten Hand eines geschickten So fers hergestellten Ornamenten. Oft zwar naive, aber recht eindrucksvolle und manchmal auch stilgerechte Kunst. Es müßte ein kulturhistorisch recht eindrucksvolles Werk sein, alle diese Titelblätter der bayerischen Memorbüeher in einem Sonderbuch abzubilden. Das wäre Vorführung richtiger auf rein jüdischem Boden gewachsenen Kunst. Dazu kommt, daß meist auch die zu ornamentaler Wirkung an sich besonders geeigneten hebräischen Lettern des Titeltextes selbst meist zur Belebung des Schmuckes herangezogen wurden, wie z. B. durch Prunkinitialcn, Stilisierung der Buchstaben und dgl. Zuweilen, wie z. B. in Sulzbach, ist das Titelblatt auch koloriert. Jedes Memorbuch ist seinem Wesen nach ein Unikum. Es kommt in seiner Form nur einmal vor und ist zugleich für seine Gemeinde für alle Ewigkeit bestimmt. Würde ein solches zu Verlust gehen, so wäre dies ein unersetzlicher Schaden. Aus diesem Grunde schon wurde die gute Hälfte aller Memorbüeher auf Pergament geschrieben. Sie mußten ja ziemlich dauerhaft sein, da sie allsabbatlich in Gebrauch genommen und dadurch abgenutzt wurden, im Laufe vieler Jahrzehnte, ja Jahrhunderte. Die auf Papier geschriebenen finden sich meist dadurch auch in einem trostlosen Zustand. Die fortgesetzte Ingebrauchnahme veranlaßte ferner an den Griff stellen, auch der Pergamentblätter, bei ziemlich allen Memorbüchern ein Abgreifen des Textes, so daß manche Stelle kaum noch lesbar ist. Auch das Vergilben der Lettern im Verlauf der langen Zeit verursachte denselben Schaden, der hier leider gerade oft die wertvollsten trifft. Auch der Buchtext ist oft von Ornamenten und Initialen begleitet. Zuweilen ist auf den Bucheinband besonderer Wert gelegt; man findet gelegentlich Silberbeschläge und Silberschließen. Wir haben bereits betont, daß das Memorbuch zu liturgischen Zwecken öfter herangezogen wurde. In neuer Zeit ist aber dieser liturgische Zweck des Memorbuches ganz geschwunden. Unsere praktisch angelegten, handlichen und billigen Gebetbücher lassen das Memorbuch beim gewöhnlichen Gottesdienst ganz überflüssig erscheinen. Das Verständnis für den Nekrolog- und Martyrologienteil ist ziemlich vollständig geschwunden. In der Tat beobachten wir denn auch, daß die Memorbüeher immer mehr in den Hintergrund treten. Allerdings trägt hierzu auch das Zusammenschrumpfen der früheren, oft so ruhmreichen Memorbuchgemeinden bei. Und so finden wir eine große Anzahl von ihnen, die geradezu herrenlos geworden sind und jetzt nur noch einen allgemeinen jüdisch-historischen oder kulturhistorischen Wert besitzen —, als Fundgrube für den Forscher.