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Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. 681

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
[Judentrachten] [Illustration]
Date
1928-11-01
Page
681 (sequence 1)
Language
German
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IDA POSEN / JUDENTRACHTEN Wenn die Trachten der Juden einer wissenschaftlichen Untersuchung unterworfen werden sollen, müssen zunächst einige grundlegenden Fragen der Trachtenkunde besprochen werden. Es muß vor allem darauf hingewiesen werden, daß alles, was zur Kleidung der verschiedenen Völker gehört, nicht aus Freude an der Anhäufung eines möglichst umfassenden Materials gesammelt wird, sondern daß solche Sammlungen es erst der allgemeinen Kulturkunde ermöglichen, durch Vergleich festzustellen, welchem Zweck die Kleidung jeweils in der Hauptsache dienen soll, ob sie nur zum Bedecken des Körpers als Schutz vor äußeren Einflüssen oder zum Schmuck, also aus ästhetischen Gründen, getragen wird. Eine strenge Scheidung wird in dieser Beziehung wohl nur bei den allerprimitivsten Völkern möglich sein. Immerhin läßt sich auch bei Kulturvölkern das Vorherrschen des einen oder andern Prinzips nachweisen, und es ist dann nur ein weiterer Schritt, gewisse Rückschlüsse auf den Charakter eines Volkes zu ziehen, je nachdem, welcher Grundgedanke im Wechsel der Zeiten trotz gewisser Aenderungen vorherrschend geblieben ist. Eine Betrachtung, deren Umfang nicht durch zeitliche Grenzen, sondern durch die Landesgrenzen näher bestimmt wird, hat deshalb noch besondere Aufgaben, weil sie auch die Beziehungen zwischen verschiedenen Völkern und zwischen verschiedenen Volksstämmen bestimmen muß. Denn nicht jede Neuerung ist auf eine Entwicklung von innen heraus, ohne daß äußere Einflüsse eingewirkt hätten, zurückzuführen. In den allerseltensten Fällen besteht diese Möglichkeit in der Trachtenkunde. Es ist besonders reizvoll, die äußeren Anlässe zu ermitteln, welche eine Veränderung herbeigeführt haben. Das ist aber ganz besonders der Fall, wenn ein ganz kleiner Bevölkerungsteil, wie die Juden, zur Untersuchung vorliegt. Originale von Judentrachten sind nur in ganz seltenen Fällen erhalten geblieben. Trotzdem ist ein ansehnliches Material vorhanden, sowohl in den Miniaturen der Manuskripte, beziehungsweise in den bildlichen Beigaben der Bücher und Einzelblätter, als auch auf Glasgemälden und in den Abbildungen auf Gegenständen, so daß es möglich ist, wenigstens für die letzten sechs Jahrhunderte einen zusammenhängenden Ueberblick zu geben. Die bildlichen Darstellungen sind dann von besonderem Wert, wenn sie Juden und Nichtjuden unmittelbar nebeneinander zeigen und dadurch die Verschiedenheit der Tracht besonders deutlich werden lassen. Außer den häufig angebrachten Unterschriften, die darauf hinweisen, wer von den Dargestellten ein Jude ist, dienen insbesondere die Abzeichen, welche die Juden laut behördlicher Vorschrift in früheren Jahrhunderten tragen mußten, als Erkennungsmerkmal; denn selbstverständlich wurde darauf bei einer Wiedergabe im Bild ganz besonders geachtet. „Ich will mir einen langen Bart Lassen wachsen mit grauen Haaren, Ich will nach alter Judenart Fortan durchs Leben fahren, In einem Mantel, weit und lang, Tief unter einem Hute . . ."

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