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Menorah · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 648

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Der Bildhauer Moscheh Ziffer
Date
1928-11-01
Page
Seite 648 (sequence 2)
Language
German
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M EN 011 AH Obermbb. Dr. Z. P. Chajes anläßlich seines ersten Todestages Büste von Aloscheh Ziffer Palästina reift in ihm allmählich der Entschluß Bildhauer zu werden. Bereichert um diesen Entschluß, der seinen Lebenshunger gänzlich in Anspruch nahm, verläßt nun Ziffer ebenso mittellos, wie bei seiner Hinreise, seine neue Heimat, mit dem Reiseziel — Wien. Hier gelingt es Ziffer, in der Bildhauerklasse des Prof. Eugen Stein hof Aufnahme zu finden. Er bleibt fast drei Jahre lang, auf besonderen Wunsch des Professors, der in ihm einen äußerst begabten und arbeitsfreudigen Schüler erkannte. Gereift und um technisches Können bereichert, verließ Ziffer im vorigen Jahre die zwar hochwertige, jedoch auf die Dauer seinen Gestaltungsdrang beengende Schule. Eine Kollektivausstellung vereinigt nun die Ergebnisse seiner ersten Entwicklungsperiode. Aus der Masse heraus arbeitend, gelangt Ziffer zu den Postulaten der modernen Plastik: Nicht die eingepaukte Voreingenommenheit für modernistische Konzeptionen bildet das Movens seiner Gestaltungskraft. Und darum weicht er auch mit Leichtigkeit jeder Gefahr der Stilisierung aus. Durch das strenge »Sieb der abstrakten Form ringt er sich zum reinen und einfachen Ausdruck durch. Zarte Empfindsamkeit und aufbegehrender Gestaltungsdrang — das sind die zwei Hauptelemente, die sich in allen Arbeiten Ziffers den Rang ablaufen. Und dort, wo es ihm gelang, diese beiden Elemente zu harmonischem Zusammenwirken zu vereinigen, dort entstanden Bildwerke, die nicht mit ihren Flächen und Konturen aufhören, sondern sich gleichsam in eine sie einhüllende Atmosphäre fortsetzen. Im Mittelpunkte seiner Werke steht ein verhältnismäßig kleiner Marmor, in den Ziffer seine „Ruhende" hineinzwang: Iiineinzwang, denn wir merken noch die ursprünglichen Formen des Marmorblockes, dem dieses plastische Gedicht abgerungen worden ist. Die Ausmaße und die Eigenart des rohen Marmorblockes leben hier, von einer materialgerechten Bildnerleidenschaft gebändigt, im Kunstwerk weiter. Sehr angenehm fallen auch zwei Köpfe auf, die Ziffer während der Sommerferien 1926, die er in Palästina verbrachte, gemeißelt hatte. Diese wunderschönen, dem Auge wohltuenden Plastiken (als Fassadenschmuck gedacht) erinnern lebhaft an einen Ausspruch Rodins, daß „der Bildhauer seinen Pinsel im Licht und Schatten des Tages und der beiden Dämmerungen, in denen er lebt, eintauchen müsse". Die starken Licht- und Schattenkontraste dieser Skulpturen baden gleichsam in palästinensischer Luft und Sonne . . . Der Gesamteindruck geht dahin, daß Ziffer, trotz ausgezeichneter Leistungen, noch weit hinter dem in ihm schlummernden Können zurück ist und daß er als Mensch und als Bildhauer gerade im Begriffe ist, aus einer, trotz aller Nöte in weiche Dämmerung getauchten Entwicklungsepoche, ins offene, problemvolle Leben zu treten , . . Hermann Peczenik

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