Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1928)
- Article
- Dschungeljuden
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 589 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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DSCHUNGEL JUDEN 589 Blockhäuser, eines in Sehweite vom anderen, wurden die Straße entlang errichtet. Tag und Nacht wachten die jüdischen Soldaten auf ihren Posten, schritten im dampfenden Dunkel mit starren Augen und flammenden Fackeln ihre Strecke ab. Wenn jetzt die schwarzen Banden aus dem Walde brachen und über die Straße schlüpften, lief ein Signal von Wache zu Wache, und die Verteidiger der Stadt stürzten heran. in den meisten dieser Scharmützel blieben jetzt die Juden Sieger. Aber mit der Zeit wurden die schwarzen Banden immer zahlreicher, sie brachen ein, brannten nieder und mordeten, und flohen in den Dschungel zurück, von wo ihre zornigen Trommeln Tag und Nacht den gequälten Weißen in die Ohren dröhnten. Es kam so weit, daß die Juden verstört hinter ihrem sandigen Festungsgraben hockten und ständig darauf bedacht sein mußten, den Fluß zur Flucht bereit zu halten, von Feinden frei. Bevor das neunzehnte Jahrhundert heraufzog, war die Judenstadt verlassen und verödet, in Trümmer gelegt. Mehrere erfolgreiche Ausfälle der Neger hatte die Juden an die Küste getrieben. Die Häuser wurden geleert, die Bew ohner, einst so groß und mächtig, flohen auf ihren Barken stromabwärts. Einige, entmutigt und enttäuscht, kehrten nach Holland oder Portugal zurück. Andere, unter ihnen die bedeutendsten und einflußreichsten, ließen sich in der Nähe des jetzt blühenden Paramaribo nieder. Dort sind ihre Nachkommen bis zum heutigen Tage geblieben, und sie gehören auch heute zu den einflußreichsten und wohlhabendsten Familien der Stadt. Die Lauterkeit des Glaubens, die Einigkeit der Gemeinde, von der Samuel Nassi träumte, ist dahin. Aber die Uebcrlebenden proklamieren immerhin mit Stolz, daß sie Juden sind, und erzählen gerne, wie sie einst eine große und blühende Stadt aus eigener Kraft regierten. Im schlummernden Urwald sind neue Baumgiganten herangewachsen, von neuem hat sich das dichte Unterholz zu ihren Füßen undurchdringlich zusammengeschlossen. Nichts ist darin übrig geblieben als, verstreut und halbversteckt, ein paar gesprungene Grabsteine, der Torbogen der Synagoge, von den mächtigen Armen der Schlingpflanzen gehoben und wieder herabgestürzt, und die leere, offene Rebellenstraße, wehmütig um die verlassene Stätte gelagert, von Küste zu Küste gezogen, ein verdorrtes Wahrzeichen des Schreckkens, der einst das tropische Zion verdarb. Aus dem Englischen übertragen von Paul a A r n o 1 d.