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Menorah · 1928-10-01 · Heft 10 (Oktober 1928) · p. Seite 561

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 10 (Oktober 1928)
Article
Der neue Judenfriedhof in Wien
Date
1928-10-01
Page
Seite 561 (sequence 11)
Language
German
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DER TEMPEL ZU JERUSALEM 561 teilt. Wir aber können auf Namen verzichten, denn wir kämpfen nicht gegen Personen, auch nicht gegen eine Partei, sondern nur für die Reinheit der Sache, für die Freiheit der jüdischen Kunst. Wir wollen aus allen Gutgesinnten, einerlei aus welchem Lager, einen Trupp formieren und mit den Waffen, die uns die Machthaber von heute, diese ewig Gestrigen, in die Hand geliefert haben, ins Feld ziehen. Länger darf es nicht dauern, daß zwei, drei Unberufene an der Spitze einer Menge ohne eigene, ohne jüdische Kultur den überall tätigen, überall siegreichen Fortschritt gewaltsam aufhalten. Wir fordern kein Vorrecht für die moderne Kunst. Aber wir fordern für sie, die den Geist der jüdischen Gegenwart in sich trägt, das gleiche Recht auf Verwirklichung. Und wollen deshalb nicht früher ruhen, bis dort, wo allzulange das banale Vorurteil geherrscht hat, der Sinn der Verantwortlichkeit und die Achtung gegenüber allen Kräften jüdischer Gestaltung einziehen. Max Eisler. Nachschrift: Nach der Drucklegung' des Aufsatzes kamen uns von ungefähr Aufnahmen einer neuen Brünner Friedhofs halle, ein Werk des Architekten Bohuslav Fuchs, in die Hand, von denen wir aufs Geratewohl eine wiedergeben. Sie zeigt worauf es grundsätzlich ankommt und verdeutlicht besser als alle Worte die pompöse Phrase der Wiener Halle. DER TEMPEL ZU JERUSALEM Von Leo Adler. Der Tempel von Jerusalem, von dem kaum ein Stein auf dem anderen steht, galt seit jeher als das größte Heiligtum des abendländischen Kulturkreises; schon Tacitus berichtet von ihm als dem heiligsten aller irdischen Heiligtümer. Kein Wunder daher, daß er, Juden und Christen in gleicher Weise heilig — es ist nur nötig an die Bedeutung Jerusalems in der Hagadah oder an das „Himmlische Jerusalem" der katholischen Kirche zu erinnern —, die Phantasie der Nachlebenden mächtig anzuregen und zu immer neuen Wiederherstellungsversuchen zu reizen vermochte. Auch an hineingeheimnisten Beziehungen, an Zahlenharmonien und Proportionsschlüssen ist in dem gewaltigen Schrifttum über den Tempel kein Mangel. Vor nicht langer Zeit noch (1912) suchte Odilo Wolff den „Nachweis" zu erbringen, daß sowohl in dem Salomonischen wie dem Herodianischen Tempel das Hexagramm, der „Schild Davids" also, der Schlüssel für den Grund- und Aufriß des

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