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Menorah · 1928-10-01 · Heft 10 (Oktober 1928) · p. 548

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 10 (Oktober 1928)
Article
Kapitän Barros Basto
Date
1928-10-01
Page
548 (sequence 1)
Language
German
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KAPITÄN HARROS BASTO D<>r geistige Mittelpunkt des Marrannentums in Portugal, worüber wir in Heft Nr. 2. IV. Jahrg. berichteten, ist Oporto, die Geburtsstadt des unglücklichen TJriel da Costa. Dort bildeten die Marranneii vor wenigen Jahren die erste offizielle Judengemeindo, <leren Begründer und Vorsteher Kapitän Harros Basto ist*). Wir entnehmen dem soeben im Verlage des Heine-Bundes Berlin erschienenen Buche: M. Ehrenpreis: .,Pas Land zwischen Orient und Okzident", die Lebensgeschichte dieser interessanten Persönlichkeit. . . . „Es war an einem Freitagabend", erzähl te mir Professor Amzalak, „als ich am Filigange unserer Synagoge einen bescheidenen jungen Mann in Militäruniform traf, der mich um die Erlaubnis bat, dem Gottesdienst beiwohnen zu dürfen. Ich habe ihn seither wiederholt in unserer Synagoge gesehen. Nach einiger Zeit bat er mich um eine Unterredung, in deren Verlaufe er mir sein Geheimnis offenbarte. Seine Geschichte lautet ungefähr so: ,Meine Mutter ist Katholikin, mein Vater war Marranne, doch dies ist mir erst vor kurzem, nach seinem Tode klar geworden. Ich war bemüht, mir Klarheit über seine Religion zu verschaffen. Es bohrte unausgegesetzt in meinem Innern und ich konnte keine Ruhe finden. Die katholische Kirche war mir innerlich völlig fremd; ich suchte einen Weg zu Gott, und ich wollte am liebsten den Weg gehen, den mein Vater gegangen war; denn ich liebte meinen Vater über alles in der Welt. Erst in Ihrer Synagoge hier in Lissabon ist mir das Geheimnis blitzhaft aufgegangen. Sie sahen mich oft Ihrem Gottesdienst beiwohnen. Das war kein bloßes Zuhören, es war ein ahnungsvolles Horchen, ein Lauschen, ein Suchen und Graben mit der ganzen Seele und dem ganzen Herzen. Als ich immer wieder Ihre hebräischen Gebettexte im uralten, geheimnisvollen Rhythmus rezitieren hörte, als ich in der Mitte der Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs diese undefinierbare Luft atmete, die Luft der Jahrtausende, da erwachten dunkle Assoziationen in meiner Seele, etwas Rätselvolles, Fernes, kaum Faßbares, aber zugleich Unerbittliches und Unbesiegbares. Da rief es plötzlich in mir: Das ist die Religion deines toten Vaters, diese soll auch deine Religion werden. Und niui komme ich zu Ihnen mit der innigen Bitte: Helfen Sie mir, den Weg zur Religion meines Vaters finden/ Er widmete sich mit Ernst dem Studium der Religionsurkunden des Judentums, sowie der hebräischen Sprache, die er jetzt beherrscht. Nach dem Tode seiner Mutter konnte ihn keine Macht länger der Kirche festhalten, die seiner Seele fremd war. In Tanger trat er formell zum Judentum über, worauf er ein jüdisches Mädchen aus der f Jssaboner Gemeinde zur Gattin nahm. Eine der Bedingungen für diese Eheschließung war, daß die Braut während der Verlobungszeit Hebräisch erlerne, was sie auch tat. Der Tag, da Basto ein Heini in Israel gründen durfte, war, wie er selbst berichtete, der glücklichste seines Lebens. Seine Träume waren nun in Erfüllung gegangen; er war wieder in den historischen Zusammenhang eingefügt; er war wieder Ring in der Kette. Jetzt begann für ihn ein neues Leben, ausgefüllt mit Arbeit für ein heiliges Ziel. Er sammelte um sich die zerstreuten und versteckten Glaubens- und Schicksalsgenossen und mit ihrer Hilfe gründete er die erste Marrannengemeinde in Oporto, wo er seit einem Jahrzehnt als Gefängnisdirektor und Pressezensor eine geachtete Stellung einnimmt. „Kapitän Basto", schließt mein Gewährsmann, „ist eine bemerkenswerte Persönlichkeit, ein geborener Verkünder und Missionar, erfüllt von apostolischem Eifer und unermüdlicher Arbeitskraft. Er wird noch von sich hören lassen." .... *) Arthur Carlos Barros Basto -wurde am \H. Dezember U587 in Amarante, Departement Oporto, geboren. Als portugiesischer Inl'anteriehauptmann kommandierte er während des Krieges eine Kompagnie in Frankreich und Belgien und wurde in Anerkennung seiner Verdienste wiederholt ausgezeichnet. Er hat außerdem die Scoutbcwegung in Portugal begründet und die Organisation der iioyscouts geschaffen. Dank seinen Bemühungen wurde au der Universität in Oporto ein Lehrstuhl für die hebräische Sprache und Literatur errichtet. Nach dem Kriege wurde er zum Direktor des Militär- Gefängnisses in Oporto ernannt.

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