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Menorah · 1928-10-01 · Heft 10 (Oktober 1928) · p. 547

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 10 (Oktober 1928)
Article
Chronik: Aus den Gemeinden : Berlin. Georg Kareski
Date
1928-10-01
Page
547 (sequence 1)
Language
German
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Chronik: Aus den Gemeinden V e r 1 i n. Georg Kareski. Bei einem Fünfzigjährigen stellt sich als erster Vorläufer der Abgeklärtheil jene mittelalterliche Würde ein, die schon äußerlich respektvolle Hochachtung heischt. Nichts von alledem hat Georg Kareski an sich, der am 21. Oktober 50 Jahre alt wird. Kr ist temperamentvoll wie ein Zwanzigjähriger, hitzig wie ein Gascogncr Kadett, aber wenn es sein muß abgeklärt wie ein vollendeter Staatsmann. Mensehen haben ihre Schicksale, sie bleiben ihnen treu wie ihr Schatten und so ist die Politik Georg Kareski von den ersten Anfängen seines Lebens treu gehlieben. Einstmals, schon als Zwanzig jähriger, anerkannter rührer der deutschen JlandJungsgchilfen, überzeugter Demokrat, Herrscher in Massenversammlungen, ist er heute Finanzdezernent der Berliner Jüdischen Gemeinde, verwaltet die Finanzen des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und ist Autorität in allen Finanz- Tragen. Ein Meister der Rede, beherrscht er souverän jede Volksversammlung, aber auch in kleineren politischen Kollegien weif?» er seinen Willen durchzusetzen. Als die Jüdische Volkspartei in die Berliner Gemeindeverwaltung einzog, entsandte sie Georg Kareski in den Vorstand der Gemeinde und sie hat damit den glücklichsten Griil getan. Georg Kareski ist nicht nur Politiker, er hat gelernt, daß Kritik allein und sei sie noch so sachverständig, den Gegner nicht überzeugt, daß es ausschließlich die positive Leistung ist, die vollendete Tatsachen schallt. So ist Kareski der Staatsmann der Volkspartei geworden, der deutlich erkennt, daß das Mitglied einer Partei in dem Augenblick, in dem es in die Verwaltung eintritt, au Thören muß, ausschließlich nach parteipolitischen Gesichtspunkten sich zu orientieren, daß vielmehr, wenn auch beherrscht von einer bestimmten Weltanschauung die Bedürfnisse der Verwaltung allein die Grundlage für die Arbeit in der Gemeinde abgeben müsse. Kareski hat ein Gefühl für die Wichtigkeit der Gcmeindcarbeit, er erkennt, dal?» die Gemeinde nicht etwas Untergeordnetes ist gegenüber den rein politischen Körperschaften, daß sie es ist, die Seele und Blut der Judenheit ausmacht. Kr hat begriffen, daß wer in Deutschland die Gemeinden hat, die wirkliche Macht ausübt. Georg Kareski gehört nicht zu denjenigen, die den Schein der Macht ihrem Wesen vorziehen. Ihm ist es gleich, ob er nach außen hin als der rühmgekrönte Feldherr erscheint, wenn nur die Schlacht tatsächlich gewonnen wird. Seine Taktik besteht darin, den Gegner zu überzeugen. Er beweist ihm, daß sein ureigenstes Interesse das Handeln notwendig macht, das er ihm vorschlägt. Er weiß, dals es keinen Zweck hat, den Gegner zu übervorteilen, in der großen Politik hat er gelernt, daß die besten und erfolgreichsten Waffen im politischen Kampfe Offenheit und Klarheit sind. Seine Politik ist gradlinig, sie ist gekennzeichnet vom Willen zur Macht. Seine Stärke liegt in der ungemein leinen Beherrschung des Materials. Dj-u außerordentlich umfangreichen Etat der Berliner Gemeinde kennt Kareski bis in die verstecktesten Einzelheiten, sein Urteil ist unbestechlich, er findet auf den'ersten Blick die Schwächen eines Vorschlages heraus und seine große Seite ist eine Menschenkenntnis, die man durch Aeußerlichkeiten nicht blenden kann. Georg Kareski ist nicht zur jüdischen Politik gekommen, weil für ihn keine Möglichkeit bestand, in der großen Politik an das Licht der Sonne zu gelangen. Vielmehr in dem Augenblicke, in welchem ihm klarwurde, daß es Aufgabe der besten Männer sei, mit allen ihren Kräften dem jüdischen Volke zu dienen, hat er seine Energie und Tatkraft für das Judentum eingesetzt. Ein ungewöhnlicher Mensch, mit ungewöhnlichen und großen Gaben, in keine Schablone zu pressen, ist er der Staatsmann unter den jüdischen Gemeindepolitikern der Gegenwart.

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