Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 9 (September 1928)
- Article
- Die Juden Mesopotamiens
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 543 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2912821-2912879-2912888-2922531--07032-2922635- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 2× ep/1047930
- Basra 1× ep/1044138
- Beirut 1× ep/1047833
OCR text
DIE JUDEN MESOPOTAMIENS Mond (Lord Melchcll) ist ein reicher Zionisl und will die Juden aus Bagdad nach Palästina führen, damit er auf diese Weise Bagdad zugrunde richtet." Und die Demonstranten demonstrierten somit dagegen, daß Bagdad durch den Zionismus arm gemacht würde. Viel mehr haben sie wohl vom Zionismus nicht gehört. übrigens gewann trotzdem durch Sir Alfred Monds Besuch die Möglichkeit einer g r (") ß e r e n A u s w a n d e r u n g mesopolamiseher Juden nach Palästina an Aktualität. Nach dem, was mir sowohl Seine Majestät, der König Faisal, als auch der englische Überkommissär Sir Henry Dobbs, mit denen ich einige Wochen nach Sir Monds Besuch und während gerade Gerüchte über einen bevorstehenden Krieg Ihn Sauds, des Wahhabilenfürsten, gegen den Irak durch die Luft schwirrten, sprach, gesagt haben, scheint es ziemlich sicher zu sein, daß der Plan einer Bahnlinie Haifa —Bagdad von Lord Melchett und den hinter ihm stehenden Finanzgruppen energisch gefördert wird. W a n n die Bahn gebaut werden wird, ist natürlich noch nicht entschieden. Aber daß der Plan eines Bahnbaues, der Bagdad mit Haifa verbindet, sowohl von der englischen Industrie als auch von weniger zivilistischen Kreisen sehr ernst genommen wird, zeigen die Verhandlungen Sir Gilberl Claylons mit Ihn Saud, die offensichtlich den Zweck haben. Ihn Saud dazu zu bringen, sich gegen entsprechendes englisches Entgegenkommen nicht störend für die Bahnbaupläne zu benehmen. Welche Folgeil die Durchführung dieses Projekts haben würde, läßt sich kaum ermessen. Es bedeutet die Eröffnung der dritten Epoche des europäischen Asienhandels. Die erste war die Entdeckung des Seeweges rund um Afrika nach Indien durch Vasco de (lama 1-198, die zweite war die Bahnung des Seeweges durch den Suezkanal vor einem halben Jahrhundert. Die drille soll jetzt anbrechen: nachdem zunächst durch die Eröffnung des Suezkanals der Umweg über Afrika überflüssig wurde, wird jetzt der neue Landweg über Bagdad und von da nach Basni den bisherigen Umweg rund um Arabien wegfallen lassen. Es handelt sich dabei allerdings nicht nur um die Wiedereröffnung des Landweges nach Indien, sondern auch um die militärische Aufmarschlinie gegen Bußland über Persien. Bagdad wird dabei zweifellos gewinnen: es hegt ja dann an dem Kreuzungspunki der zwei wellhandelspolitischen Linien Haifa Bagdad—(Lhanikin-- Teheran einerseits und Basra —Bagdad Mossul anderseits, die Persien mit «lein Millehneer und Indien verbinden. Aber die allgemeine Meinung in Bagdad ist, daß der Gewinn Bagdads viel geringer sein wird als der H a i f a s, von dem man annimmt, daß es in absehbarer Zeit Beirut und Alexandrien überflügeln wird. Auch die Engländer rechnen damit, scheint es: der neue Hafen in Haifa wird für die großen Kriegsschiffe genug tief sein; der Petroleumhafen allein wird 2 km2 umfassen und die Bodenpreise Haifas sind in den letzten Monaten in der Nähe dieses Pelroleumhafens um das Vielfache gestiegen. Die palästinensische Regierung sieht schon jetzt wo Haifa nur 35.000 Einwohner hat eine Wasserversorgung für 200.000 Einwohner vor: kurz, die mesopolamischen Juden rechnen heule ernstlich damit, daß es sich in absehbarer Zeil nicht mehr lohnen verde, den Transitverkehr Persien -Indien—Europa von Bagdad aus zu regeln, wenn man das ungleich leichter und bequemer von Haifa aus wird machen können. Und so wird durch eine merkwürdige Verquickung von Interessen die komische Argumentation der Demonstranten gegen Lord Melchcll letzten Endes vielleicht doch einen Schatten von Vernunft bekommen: die Schaffung des neuen Weltweges nach Indien wird vielleicht einen Teil des Handels und einen Teil der Juden Bagdads von der Kalifenstadl nach Palästina bringen. Aber die Talsache, daß Lord Melchetl nicht nur Industriemagnat, sondern auch zufällig Zionisl ist, wird damit wohl wenig zu tun haben .. .