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Menorah · 1928-09-01 · Heft 9 (September 1928) · p. Seite 541

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 9 (September 1928)
Article
Die Juden Mesopotamiens
Date
1928-09-01
Page
Seite 541 (sequence 5)
Language
German
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DIE JUDEN MESOPOTAMIENS 541 Minorität. Sie haben zwar ein halbes Dutzend Abgeordneter im Senat und Parlament, die dort begreiflicherweise nicht den Mund aufzulim wagen, sondern immer mit der jeweiligen Regierungsmehrheit gehen. Die Politik der Juden wird ja dort, wie ja überall in mohammedanischen Ländern, nur von einem einzigen Gefühl diktiert: Furcht. . . Die Juden fühlen sich natürlich nicht als Araber, auch wenn sie als Umgangssprache Arn bisch sprechen, als Schriftsprache Arabisch mit hebräischen Lettern verwenden, ähnlich wie es die Juden im Yemen auch tun. Dabei lebt aber trotzdem ein merkwürdiger Hochmut in diesen Juden, der sie irgendwie verächtlich auf die Araber herabschauen läf3t, vielleicht vor allem wegen deren ungezügeltem Sexualleben. Der Jude fühlt sich Irotz aller Assimilation bis heule als Jude. Fr will seine Kinder nicht in arabische Schulen .schicken, er will seine Kinder nicht Offiziere, geschweige denn Soldaten der arabischen Armee werden lassen, er will in Ruhe seinem Handel nachgehen, vor allem den Zwischenhandel zwischen Bagdad und Persien einerseits. Bagdad und Damaskus noch Europa anderseits beherrschen. In Ruhe — das heißt, alles, was ihn dabei stören kann, ist ihm schrecklich peinlich, er weicht ihm in weitem Bogen aus. Und dazu gehört unter anderem auch der Zionismus. Ähnlich, wie ich es vor einem Jahr in Syrien gefunden habe, steht es mit dem Zionismus in Mesopotamien. Man fürchtet sich vor dem Schatten an der Wand, ich wiederhole es: wie überall in mohammedanischen Ländern. Ich habe es in der Kemal- Tiirkei erlebt, wie besorgte sephardische Juden zu einem zionistischen Bankier kamen und ihn beschworen, doch um Gotteswillen die Palästina-Landkarte von der Wand weg- /uhängen — wenn das zufällig einmal ein Polizist sähe! Ähnlich ist die Stimmung, trotz englischer Okkupation, und trotzdem in Bagdad eine zionistische Organisation legalisiert wurde, und trotzdem zionistische Führer vom König Faisal in Audienz empfangen werden, bei den mesopotamischen Juden. Man hat nicht etwa Angst davor, durch zionistische Betätigung eine judenfeindliche Stimmung bei den arabischen Massen zu erzeugen. Aber man denkt so: eben weil es kein arabisches Nationalbewußtsein im Irak gibt, wollen die Politiker eines schaffen. Und wenn wir durch irgend welche politische Betätigung so einen jungen Advokaten oder Abgeordneten oder Distriktsgouverneur erst einmal auf die Idee bringen, er könne seinen Nationalismus auf unsere Kosten beweisen, sind wir verloren. Und danach handeln sie. Es gibt in Bagdad eine zionistische Ortsgruppe, die aber im wesentlichen von der Handvoll aschkenasischer und ein paar sephardischen Juden gehalten wird, und deren innere Lebenskralt einige Juden sind, die von Palästina nach Mesopotamien gegangen sind und brennendes Heimweh nach Palästina haben, obwohl sie in Bagdad ein Mehrfaches verdienen. Sonst beschränkt sich die Tätigkeit der Organisation auf einige Geldsammlnngen. Unabhängig davon gibt es aber eine lebendige zionistische S t i m m u n g, welche sich in einer spontanen und ungeregelten Auswanderung mesopotamischer Juden Bagdads, Basras und Mossuls nach Palästina äußert. Im letzten Jahr hat natürlich diese Auswanderung infolge der Wirtschaftskrise in Palästina bedeutend abgenommen und hat ihren Charakter geändert. Während vor zwei oder drei Jahren im wesentlichen kleinbürgerliche Familien mit etwas Kapital nach Palästina gegangen sind und versuchten, dort Handel zu treiben, ist heute die Meinung in Mesopotamien allgemein, daß Palästina keine „Clerks" brauchen könne, und daß alle Bureauposten, welche das Ideal eines jeden jüdischen jungen Mannes in Bagdad bilden, auf lange hinaus vergeben seien. So gehen nach Palästina heute nur jene ganz armen Familien, welche zum Teil aus Kurdistan, zum Teil aus den türkischen Randgebieten kommen, nicht imstande waren, sich in Mesopotamien einzuleben und hoffen, sich als manuelle Arbeiler — auch Lastträger — in Palästina fortzubringen. Aus den bekannten politischen

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