Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 8 (August 1928)
- Article
- Bibliographie [Rezension] / L. K.
- Date
- 1928-08-01
- Page
- 480 (sequence 1)
- Language
- German
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BIBLIOGRAPHIE HEINRICH YORK-STEINER, DIE KUNST ALS JUDE ZU LEBEN. (Minderheit verpflichtet.) Leipzig, Kaufmann. 1928. Als Kinder halten wir den von den Älteren irgendwie erhaschten, wohl kindlich verballhornten Grundsatz, über das Wesen Gottes dürfe man nicht nachdenken, sonst werde man verrückt oder abtrünnig. Warum hat man uns nicht das gleiche vom Nachdenken über das Wesen des Judentums gesagt? Jedes Ghetto hatte neben der großen Mehrheit der fraglos Gläubigen immer ein paar Spötter radikalster, zynischester Art, die im unzulänglichen Nachdenken über das Problem Judentum zwnr nicht den Versland, aber das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit der Vergangenheit und das Verständnis für die eigenartige Größe ihres Volkes verloren. Mit den zahllosen Apologien gelehrter Theologen war diesen Abtrünnigen nicht gedient, denn die Theologen stehen innerhalb, die Spötter „außerhalb des Lagers". Käme mir heule solch ein geistig Entgleister in den Wurf, so wüßle ich ihm eine heilkräftige Medizin: ich würde ihm mit größter Zuversicht York-Steiners Buch zur gründlichen Lektüre empfehlen. York-Steiner ist ein Wellkind insofern, als er seinen Standpunkt dem Judentum gegenüber nicht Büchern abgelernt, sondern im Kampf mit der Welt errungen hat. Er hat am eigenen Leibe erfahren, was die Menschen bewegt, wie Menschen einander im Wege stehen, welche Mittel angewendet werden, unbequeme Mitbewerber um das Stückchen Brot zur Seite zu schieben, auszuschalten, gesellschaftlich zu erschlagen. Er weiß, wie die Majorität mit der Minorität zu verfahren pflegt: er, der Weitgereiste, Vielerfahrene, hat die Ku-Klux-Klan der Südstaaten Amerikas an der Arbeit gegen Neger und Katholiken gesehen, und er, der Belesene, weiß aus der Geschichte, wie es den Mauren in Spanien, den Waldensern in Frankreich erging. Minoritälsschicksai ist Verfolgung, wenn nicht Ausrottung. Deshalb ziehen es alle Minoritäten vor, früher oder später die Klügeren zu sein, nachzugeben und möglichst unbemerkt in der Mehrheit zu verschwinden. Warum wir Juden diese Klugheit nicht aufbringen, , nicht aufbringen können und nicht aufbringen wollen, das fragt York- Steiner in beredter, aber nicht getragener Sprache; mit reicher, der Literatur und dem Lehen entnommener Begründung, nicht mit prunkender Gelehrsamkeit. Er fragt uns, wie wir als Minorität leben sollen, was wir unserem Namen schuldig sind, wie wir die Achtung und den Beifall auch des „bösen Engels" erzwingen können — dieses und noch vieles andere über das Judenproblem wird der finden, der sich als ehrlich Suchender in das gehaltreiche Buch York- Sleiners vertieft. L. K. ZUM ABLEBEN DER FRAU SARAH LUST¬ GARTEN Am 28. Mai starb plötzlich Frau Sarah Lustgarten, die Gattin des Kaufmannes Leon Lustgarten, im 67. Lebensjahre in Wien. Die Verblichene ist die älteste Toctiter der vor drei Jahren verstorbenen bekannten Philanthropin Frau Blume Weber. Sieist AnfangApril 1R71 in Tarnow als die Urenkelin des Rabbi Jehuda von Biala geboren und entstammt dem Hause des weltbekannten Gelehrten Lewusch. Frau Sarah Lustgarten liebte mit jeder Faser ihres Herzens die heilige Thora und hielt streng ihre Gesetze, und nicht weniger liebte sie Zion. Mit Stolz v>ies sie darauf hin, daß ihr Großvater in den Achtzigerjahren seinen Lebensabend in J erusalem verbringen und dort beschließenkonnte. Das Hauptmotiv bei alledem muMe aber unbedingt die strengste Heilighaltung des Sabbats bleiben und so erzog sie auch ihre Kinder in gut jüdischem Glauben. Bei Ausbruch des Krieges hat sie ihre ganze Persönlichkeit zur Linderung der Not der Flüchtlinge jeder Art in selbstlosester Weise eingesetzt, ohne an sich zu denken. GRINDELWALD, Berner Oberland 1050 m U.M. HOTEL, SILBERHORN Telephon 79 Modern eingerichtet, Bäder, Terrassen, schöne Gesellschaftsräume, großer Garten JOHANNA ABELES & SOHN MIEDERSPEZI ALI TÄ TEN WIEN, L, ROTENTURMSTRASSE 23 Herausgeber Dr. Norbert Hoffmann, Eigentümer und Verleger Habrith-Verlagsgesellschaft m.b.H., sämtlich Wien, I., Zelinkagasse 13. Verantwortlicher Redakteur Friedrich Matzner, Wien, V., Margaretengürtel 22. Druck der Waldheim-Eberle A. G. (verantwortl.: Karl Wieland), Wien, VII., Seidengasse 3—11.