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Menorah · 1928-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1928) · p. 388

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1928)
Article
Soncino-Gesellschaft
Date
1928-06-01
Page
388 (sequence 1)
Language
German
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SONCINO-GESELLSCHAFT Es war seit Jahrhunderten gerade dem hebräischen Buch beschieden, auch äußerlich zeigen zu müssen, daß das jüdische Volk, das doch sein Träger ist, ein armes Volk war. Gewiß gab es einzelne Reiche, zum Teil sehr Reiche. Aber das Volk in seiner großen Mehrheit war doch arm, und zumal gerade die Juden, die mit dem Judentume und dem jüdischen Buche am engsten verbunden waren. Hierzu kam, daß das hebräische Buch mehr als alle anderen Bücher von seinen Besitzern ab- und ausgenutzt wurde. Das Gebetbuch war im täglichen Gebrauche, und seine weißen Blätter dienten zugleich als wichtigste Familienchronik. Bücher wie Talmud und rabbinische Werke wurden zu einem täglichen intensiven Studium verwendet, um immer wieder von Hand zu Hand zu gehen. So kam es, daß das jüdische Buch rein äußerlich verwahrlost erschien. Und die Zensur tat ein Übriges, wenn sie mit ihren schwarzen Flecken und Klecksen Zeilen und oft ganze Seiten übermalte. Man gewöhnte sich, das jüdische Buch ohne alle äußerliche Fürsorge herzustellen, und allmählich war es in Europa zum großen Teile das ungepflegteste unter allen. Wenn es auch seit dem Erwachen eines neuen jüdischen Gemeinschaftsgeistes bereits wiederholt Versuche gegeben hat, auch dem jüdischen Buche ein dem Inhalte angemessenes Äußere zu geben, so war es doch erst die „Soncino-Gesellschaft der Freunde des Jüdischen Buches", die grundsätzlich einem ernsten Inhalte eine würdige äußere Erscheinung parallel setzen wollte. Diese junge Gesellschaft jüdischer Bibliophilen wurde am 15. Mai 1924 in den Räumen des Herrn Josef Altmann gegründet, und hat seitdem ein reges Leben entwickelt. Den Namen Soncino-Gesellschaft nahm sie von der ersten bedeutenden hebräischen Buchdruckerfamilie, die in Italien bereits um 1475 zu drucken begann, und die aus Deutschland stammend zu den direkten und indirekten Jüngern des Mainzer Erfinders der Buchdruckerkunst gehörte. Die wichtigsten hebräischen Literatur werke wurden von ihnen in Druck gelegt, und die erste hebräische gedruckte Bibel und der erste zu den größten bibliographischen Seltenheiten gehörende, noch vorhandene Talmuddruck verdanken ihnen die Entstehung. Als sich die neue jüdische Bibliophilengesellschaft den Namen „Soncino-Gesellschaft" beilegte, kehrte sie nicht nur zu den ersten Erinnerungen des jüdischen Buchdrucks zurück, vielmehr gab sie zu erkennen, daß es ihr nicht bloß an wunderschönen bibliophilen

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