Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1928)
- Article
- Der Sinn einer Sonderschau
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 333 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DER SINN EINER SONDERSCHAU 333 Menschen in der ganzen Welt in das Getriebe des Weltpressewesens ein, ohne daß man sagen könnte, -daß ihr Tun bewußt, oder auch nur unbewußt, von jüdischen Motiven gelenkt wäre. Wenn auf der Kölner Pressa eine jüdische Sonderschau veranstaltet wird, so muß diese also von vornherein darauf verzichten, tatsächlich das Abbild oder der Querschnitt des Begriff skomplex es ,,Juden und Presse*' zu sein. Die Jüdische Sonderschau muß sich bescheiden und nur das einbeziehen, was von Juden hauptsächlich für Juden über Juden und jüdische Dinge auf dem Wege der Presse zum Ausdruck gebracht wird. Allerdings muß ein derartiges Bild unvollkommen sein: es widerspiegelt aber die Situation der jüdischen Gesamtheit in der Welt. Man bedenke: ein Volk, wie das belgische, vermag in seinem Pressewesen alle Bezirke seiner Betätigung zur Schau zu stellen. Die Politik: in politischen und Nachrichtenblättern; Technik, Wirtschaft, Handel, Wissenschaft, Kunst, Sport, Landwirtschaft und wias der Tätigkeitsgebiete eines Volkes noch mehr sind: in entsprechenden Publikationen. Wir Juden werden, um nur ein Beispiel anzuführen, unter den tausenden jüdischer Zeitungen auf der jüdischen Sonderschau keine einzige Schachzeitung haben, keine einzige Musikzeitschrift, keine irgendwie in Frage kommende allgemeine Kunstzeitschrift. Wer kann aber behaupten, daß die Juden gerade an den genannten Interessengebieten nicht hervorragenden Anteil haben? Trotzdem wird die Jüdische Sonderschau doch für die Judenheit der Gegenwart außerordentlich charakteristisch sein. Zeitungen aus 35 Ländern in 26 Sprachen werden zeigen, daß trotz aller Zerstreuung die Juden in der ganzen Welt eine Einheit bilden. Die ungefähr 30 jüdischen Tageszeitungen (hauptsächlich in jiddischer Sprache, einige sind hebräisch, polnisch, eine englisch und eine französisch) werden dartun, daß es geschlossene jüdische Siedlungen gibt, die in stärkerem Maße ein Eigenleben führen als zum Beispiel die jüdischen Volkssplitter in Frankreich oder in der Schweiz. Nur ein Land wird durch sein, wenn auch der Ausbreitung nach bescheidenes, Zeitungswesen zu beweisen vermögen, daß sich in jenem Lande eine Normalisierung jüdischen Volkslebens durchzusetzen beginnt: Palästina. Medizinische, chemische, tierärztliche und Musikzeitschriften von Juden für Juden erscheinen nur dort. Aus diesen Gründen wird die Jüdische Sonderschau in Köln nicht nur charakteristisch, sondern auch lehrreich sein. Sie verdient die Unterstützung aller Juden, wie es übrigens auch der Fall ist. J^doses Wa1 dmann.