Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1928)
- Article
- Bernhard Wachstein: Hebräische Autographen ... [Rezension]
- Date
- 1928-06-01
- Page
- 324 (sequence 1)
- Language
- German
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BERNHARD WACHSTEIN: Hebräische Autographen von Gelehrten und Schriftstellern in Faksimile, ^tfZien 1927*) Bücher, wie das vorliegende, das nicht in den Buchhandel gegeben und — weil nur in einer Auflage von 150 numerierten Sonderabdrucken erschienen — vom Verfasser nur für Bibliotheken bestimmt worden ist, entziehen sich eigentlich ihrer Natur nach der Besprechung in öffentlichen Blättern. Indessen mag es sich wohl rechtfertigen, wenn ein dankbarer Leser seiner Freude über das Erscheinen eines solchen Werkes Ausdruck gibt. In Preßburg lebte ein Maggid, der nach Art der alten Maggidim die sich aus Bibel und Talmud ergebenden Schwierigkeiten gern durch Meschalim seinen Hörern verständlich machte. Die Meschalim, die er anwandte, waren originellster Art und leben — eben wegen ihrer Originalität — noch heute im Munde der Nachwelt fort. Für die Unterscheidung und Einteilung der Menschen in solche, die sich auf geistige Interessen einstellen, und jene, denen das Materielle Hauptsache ist, pflegte er folgendes Gleichnis anzuwenden: „Es gibt zweierlei Menschen; dereine fährt nach Wien, der andere fährt nach Pest." Dr. Bernhard Wachstein gehört zu den Menschen, die — um mit dem Preßburger Maggid zu reden — nach Wien fahren. Ein vielseitiger, beweglicher und farbenschimmernder Geist, ein glänzender Schriftsteller und tiefschürfender Forscher und Gelehrter, hat er wie wenige seinesgleichen die Wahrheit des Goethischen Wortes erfaßt: „Greift nur hinein ins volle Menschenleben, Und wo ihr's packt, da ist's interessant" und hat danach gehandelt. Wollte man den hervorragenden Leistungen dieses ebenso fleißigen wie fruchtbaren Gelehrten gerecht werden, man müßte einen Hymnus nach der Art des „Dajjenu"-Hymnus in der Haggada, der mit den Worten: „Wie vielfach sind die Vorzüge" beginnt, über ihn anstimmen. Wie vielfach sind seine großen und kleinen Werke, *) 150 numerierte Sonderdrucke erschienen im Verlage der „Menorah", Wien, 1., Zelinkagasse 13. (Preis 5 Mk.) die er uns schon beschert hat, und wie ist er rastlos bestrebt, die Kette fortzusetzen und das letzte „Dajjenu" noch lange hinauszuschieben. Uns kann's recht sein; wir haben allen Grund, uns solcher Geistesgaben zu freuen, und wir können nur wünschen: ad multos annos. Einem bisher ungepflegten Gebiete der jüdischen Literatur hat der unermüdliche Schatzgräber auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft seinen Fleiß angedeihen lassen. Seinen zahlreichen Verehrern zur Freude hat Wachstein eine Sammlung von Autographen von Gelehrten und Schriftstellern in Faksimile veranstaltet. Mit Benutzung von Originalen der Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und einiger anderer Sammlungen hat er eine Reihenfolge von Schriftreproduktionen alter und ältester jüdischer Gelehrter gegeben. Ist schon der Stoff allein geeignet allgemeines Interesse zu erwecken, da er „dem Bedürfnis, den Spuren großer oder bekannter Menschen nachzugehen, das in der menschlichen Natur tief begründet ist", — wie der Verfasser sein Werk einleitet — Rechnung trägt, so erweitern sich die geistvollen Texte, die der Verfasser seinen Reproduktionen mitgegeben, zu einer lebendigen Darstellung jüdischen Geisteslebens. In erstaunlicher Weise finden sich Kenntnis des Materials, Sicherheit der Methode und Glück der Kombination vereinigt. Es liegt auf der Hand, daß eine Sammlung wie diese nicht vollständig sein kann; sie will es auch nicht sein — wie denn auch der Verfasser in seiner Einleitung der Hoffnung Ausdruck verleiht, daß „andere seinem Beispie! folgen werden, so daß in absehbarer Zeit an ein Tafelwerk aller erfaßbaren hebräischen Autographen wird gedacht werden können". So begrüßen wir dieses neueste Werk Wachsteins als eine der wertvollsten Gaben jüdischer Geschichtsforschung, dem wir die angekündigte Fortsetzung wünschen. Dr. P. J. KoU.