Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1928)
- Article
- Von ostdeutschen Juden [Rezension]
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 319 (sequence 2)
- Language
- German
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BIBLIOGRAPHIE 319 Oberrabbiner Salomon Eiger, eifrig bemüht war, die Juden in großen Massen der Landwirtschaft zuzuführen. Leider war auch damals schon den groß angelegten Berul'sumschichtungsbestrebungen der Erfolg versagt. Als Lebensbild eines wackeren Vorkämpfers, mehr aber noch als Zeitbild, als Schilderung des „Königsreiches" dieses oberschlesischen Judenkönigs, ist der Brannsche Aufsatz auch heule noch und wieder eine sehr aufschlußreiche und erwünschte Gabe. Von Pless, dem Wohnsitz Abraham Muhrs, geht der Weg nach der posenschkrujawischcn Mittelstadt Inowrazlaw (Hohensnlza). Heinrich K urtzi g hat im Verlag Eulitz i. Stolp (Pommern) ein ansprechendes, interessantes Buch herausgegeben, das er „Ostdeutsches Judentu m" nennt. (164 Seiten mit gutem Namensregister.) Es führt den Untertitel „Tradition einer Familie". Das gibt den Schlüssel zur Wertung. Durch die Blätter des von Erdman n Gräser mit einem freundlichen Vorwort bedachten Büchleins klingt das Hohelied vom braven Mann. Liebende Verehrung des Sohnes zeichnet das Bild des Vaters, einer kraftvollen, klugen Persönlichkeit, die sich als wirtschaftlicher Pionier, als Finder und Mehrer industrieller Möglichkeiten im russisch-deutschen Grenzgebiet bewährte. Aron Kurtzig war aber ein Typ, nur einer von den vielen ostdeutschen Juden, deren Energie die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung ihres Heimatlandes mit vorwärtstrieb. Auch die Schilderung, die Heinrich Kurtzig vom Leben in der „Provinz" gab, trägt viele typische Züge. Ja, der geistig angeregte Kreis, dem der Verfasser selbst, wie er nicht ohne Selbstgefühl erzählt, Mittelpunkt war, bedeutete gewiß keine Sondererscheinung. Er konnte ebensogut in jeder anderen posenschen Stadt mit zureichender jüdischer Bevölkerung lokalisiert sein. In diesem Sinne also mag der etwas hoch gegriffene Obertitel des Buches zu Recht bestehen. Der Reiz des Büchleins liegt aber vor allem in seiner Buntheit, seiner ganz subjektiven, durch den Zufall der Familienzusammengehörigkeit geschaffenen Vielseitigkeit merkwürdiger Schicksale. Daß die Familie Kurtzig mütterlicherseits auf Saul Wahl, den Eintagskönig von Polen, zurückgehen soll, ist noch nichts Besonderes — das gehört zu jeder anständigen Familientradition der Provinz Posen. (Auch die Herleitung von Abraham Prochownik, der — ein Jahrtausend zurück — der Sage nach das Herrschergeschlecht der Piasten in den Sattel gehoben hat, ist nicht weniger beliebt.) Aber daß ein ausgewanderter Verwandter es vom Hausierer bis zum Stabsoffizier im Kriege der amerikanischen Nordslaaten gegen den Süden und dann zur Advokatur brachte, daß Familienbeziehungen bis nach Alaska, Hawai und Sumatra hinausreichen, und daß zum weiteren Familienkreis gar ein jüdischer Lehrer gehörte, der später der erste evangelische Bischof in Jerusalem wurde — übrigens trat er, ähnlich dem Pater Veith, energisch gegen die Blutlüge von Damaskus auf — das sind doch mehr als Alltäglichkeiten. Daß der Verfasser für seine interessanten Mitteilungen eine ansprechende, gefällige Form zu finden gewußt hat, mag zum Schluß noch angemerkt werden. J. J. FRANZ WERFEL: GEDICHTE. Paul Zsolnay Verlag, Wien. Unter den wenigen jüdischen Schriftstellern, die die neubegründete preußische Dichterakademie zu ihren Mitgliedern zählt, finden wir auch Franz Werfel. Dieser Würdigung seines Schaffens reiht sich ein Ereignis an, das Werfel zu den Bleibenden gesellen wird: eine Gesamtausgabe seiner Werke, deren erster Band „Gedichte" vor wenigen Wochen im Verlage Paul Zsolnay erschienen ist. In diesen, in großem Rhythmus klingenden Versen gibt sich eine prophetische Begabung kund, die seherisch in die Tiefen der Menschenseele dringt. Aus ihnen ruft die Stimme eines uralle Weisheit ahnenden Menschen, der am eigenen Gesetz die ihm auferlegte Mission erfüllen will. F. K. JOSE JEHOUDA: VON GESCHLECHT ZU GESCHLECHT. De pere en fils. (Paris 1928, Bernard Grasset.) Man sollte dieses Buch gelesen haben. Nicht, weil es hervorragend wäre, sondern weil es ein typisches Exemplar seiner Gattung und dabei doch lesbar ist. Diese Galtung aber, die Judenromane, die es seit einiger Zeil in Frankreich direkt regnet, müßte jeder kennen, wer für Judentum im allgemeinen, Das Neueste in4H4erren"Uttd D;mef!°«en>. «*« Knntl Ä PriPrt jetzt zu Beginn der Saison, infolge llllllll A LIIbU Und Schönste kleinerRegiensehrpreiswertniirbei WlCtl, VI., "Ä"*40