Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 312 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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312 MENORAH mußte. Aber genug davon. Auf den Versammlungen in Amerika pflegten die liebenswürdigen Einberufer mich aLs den „Kommandanten der jüdischen Legion" vorzustellen. Das war ich niemals und konnte es nicht sein. Die Legion in Palästina bestand aus drei Bataillonen mit einer Stärke von etwa 5000 Soldaten, die von drei Colonels mit reicher Kriegserfahrung geführt wurden. In einem dieser Bataillone war ich unter zirka 20 Leutnants auch ein Leutnant, Kommandant eines Zuges, der aus 50 bis 60 Mann bestand. Zwei Tage vor unserem Abtransport nach Palästina wurde ich zum Leutnant „promoviert"; und auch das hatte Mühe gekostet, da ein Ausländer nach der englischen Verfassung nicht Offiziersrang bekleiden darf. „Es gibt hier nur zwei Ausnahmen", sagte Patterson lachend, „Sie und Kaiser Wilhelm — und ihm hat man schon hinausgeholfen." Ich weiß nicht, ob das richtig ist; aber ebenso wie der Deutsche Kaiser in der englischen Armee keinen Einfluß besaß, so konnte auch ich in der jüdischen Legion keinen Einfluß haben. Ich hatte nichts dagegen: so war es recht. Ich habe mich bemüht, ein anständiger Leutnant zu sein, wie ich mich in der Sergeantenmesse in Winchester bemüht hatte, die Tische tüchtig zu scheuern. Und beide Erinnerungen sind mir gleich lieb. Am 2. Februar 1918 marschierte das erste jüdische Bataillon mit aufgepflanztem Bajonett durch die Straßen von London und durch Whitechapel. Die Mannschaft wurde nach London gebracht und mit außergewöhnlichen Ehren überhäuft. Sie wurde im „Tower of London" einquartiert, in einem sechshundert Jahre alten Monumente der englischen Geschichte. Auch die aufgepflanzten Bajonette waren eine besondere Ehre. Es ist ein altes Privilegium, für das ganze Generationen von Londoner Bürgern gekämpft hatten, daß des Königs Truppen nicht mit „Bajonett auf" in die City einmarschieren dürfen, aber uns wurde es gestattet. Auf dem Balkon des Mansion-House stand der Lord-Mayor in seiner mittelalterlichen Gewandung und nahm den Salut der jüdischen Soldaten entgegen. Komisch: neben ihm stand Major Rothschild, einer unserer erbittertsten Gegner, Teilnehmer jener erwähnten Assimilantendeputation, stand da, stolz, aufgebläht wie ein angesehener Mechutton, und strahlte vor Stolz über ein Werk, das zu zerstören ihm fast gelungen wäre. Von der City marschierte das Bataillon nach Whitechapel. Dort erwartete uns der Generaladjutant Sir Neville Macready mit seinem Stabe und Zehntausende von Juden auf den Straßen, in den Fenstern und auf den Dächern. Blau-weiße Fahnen über jedem Geschäfte,