Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1928)
- Article
- Die Gerim von Judina
- Date
- 1928-05-01
- Page
- 263 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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MENORAH VI. JAHRGANG MAI 1928 NUMMER 5 DIE GERIM VON JUDINA Von Mendel Elkin Auf einer Reise durch Sibirien in der Steppe Kolba 1, zwischen den Flüssen Jenissei und Abakan, war ich auf eine Kolonie russischer Gerim gestoßen, die mein höchstes Interesse weckte. Ich konnte mich damals nicht im Dorfe aufhalten, aber im Spätsommer 1916 führte ich einen lang gehegten Wunsch aus und suchte die merkwürdige Siedlung zu längerem Aufenthalte auf. Ich kam spät am Nachmittag an, alles war noch auf dem Felde, bloß einige Kinder spielten auf der Dorfstraße. Ich stieg im Gasthofe ab. Der Wirt war kein zum Judentum übergetretener Russe, sondern ein Molokkaner, Anhänger einer dem Judentum verwandten christlichen Sekte. Ich suchte ihn über die Gerim auszuholen, aber er wußte nur sehr wenig. Indessen erfuhr ich von ihm, an wen ich mich um genauere Auskünfte zu wenden hatte. Der Vorstand der Gemeinde Judina, so sagte er mir, sei Eliahu, der Sohn Elieser Pawlows. Obzwar ein Siebziger, sei er noch außerordentlich rüstig und tätig. Tatsächlich führt er ein Geschäft, kümmert sich um alle öffentlichen Angelegenheiten und ist gleichzeitig Rabbi, Mohel und Schochet der Gemeinde. Pawlows Haus ist das schönste des Ortes. Es steht mitten im Dorfe, umgeben von einem herrlichen Blumen- und Obstgarten. Alle Dorfkinder wrußten, wo Pawlow wohnt, und ich wurde sofort von ihnen hingeführt. Er war nicht zu Hause. Man sagte mir aber, ich würde ihn im Konsumverein finden, den er leite. Der Laden war voll von Weibern und Kindern. Es herrschte ein unbeschreiblicher Lärm, ein arges Durcheinander. Jede hatte es eilig; jede wollte zuerst bedient sein. Kinder drängten sich schreiend durch den MenschenknäueL Die Verkäufer wogen und maßen, so schnell sie nur konnten; der alte Pawlow saß bei der Kasse und gab flink und geschickt heraus. Das Bild, das sich mir bot, war ganz und gar nicht jüdisch. Die Kunden waren einfache russische Bäuerinnen, die Kinder typische