Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1928)
- Article
- Beschneidungsbänke in Ostdeutschland
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 260 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Mohel 1× ep/1006163
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260 MENORAH Person des Stifters und das Jahr der Entstehung des Stuhles. Die seitlichen Teile nennen ,Schelomo Salman P a r n e s (Parnas)" und das Jahr 1783. Der mittlere Teil des Bandes ist nicht mit Bestimmtheit zu entziffern; er erscheint auch unorthographisch. Dr. R a b i n vermochte nur einen Teil mit Sicherheit zu lesen und zwar die Worte: „ . . . Der Sohn des Moses . . . der sich mit dem Handwerk des heiligen Zeichens*) befaßt." Es erscheint dies ein Hinweis auf die Tätigkeit als Mohel, der somit auch Stifter des Stuhles gewesen. — Die Jahreszahl stimmt nicht vollständig mit dem stilistischen Dekor; sie ist indessen schon darum erwiesen, da die Synagoge, in der der Stuhl bis heute noch steht, 1767 von der damals 400 Familien zählenden Gemeinde errichtet wurde. Wesentlich einfacher in der Form, jedoch in klarer barocker Konzeption erstellt, erscheint der Stuhl aus der Synagoge in Z ü 1 z, der sich jetzt im Besitze des jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau befindet. Die Rückenlehne zeigt bewußte Zweiteilung, im Bilde linksseitig den üblichen Hhvweis auf den Propheten mit dem Schlußsatz: „möge seiner zum Guten gedacht werden! Und ich werde meines Bundes mit Isaac gedenken." Einzelne hier größer gestickte Buchstaben innerhalb des zitierten Bibeiverses (Lev. 16, 42) ergeben zusammengezählt das Jahr 5542 (1782)5). Auf der anderen Seite erfahren wir den Namen des Stifters: „Jizchok Itzig, der Sohn des Rabbiners Juda aus Zednik, und dessen Frau Sprinzel, die Tochter des Mardochai Deutsch; das Andenken der Gerechten sei gesegnet." Ist hier, wie zumeist, der Segensspruch in erster Linie auf den frommen Stifter zu beziehen und steht somit dessen Person im Vordergrund der Stiftung, so zeigt das Beispiel aus M i 1 i t s c h eine von fünf Söhnen dem Andenken ihres Vaters gestiftete fromme Gabe. Die Inschrift lautet: „Die Brüder Awner (Abraham), Saiomon, David, Samuel und Rebil (Robert) dem Andenken ihres Vaters Moses Sach s; das Andenken des Gerechten sei zum Segen. Im Jahre 5612 (1852)." Die Ornamentik, reich vergoldet auf hellem Furnier sitzend, zeigt mehr guten Willen als reifes Künstlertum. Indessen ist die Konzeption des Stuhles als einzigartig deswegen zu bezeichnen, weil in die Lehne, mit einer ovalen Klappe abdeckbar, das Ölbild des Vaters eingelassen ist, ein Bild von ausgezeichneter Charakteristik und in guter Technik gemalt. Moses Sachs hatte 17 Söhne; nur 5 überlebten ihn: Awner in Militsch, Saiomon und Robert in Münsterberg, Samuel in Ottmachau und David in Frankenstein (Schlesien). Ein Sohn des David war Dr. Heimann Sachs- Bey, der Leibarzt des Khedive in Kairo. Awner, der gerichtlich beeideter Dolmetscher in der Grenzstadt Militsch war, beherbergte aus Mitleid einen jungen, vor der Militärpflicht in Rußland flüchtigen polnischen Juden. Dieser war Bildschnitzer; ihm versprach Awner Zuflucht in seinem Hause, wenn und solange er an einem Beschnei dungsstuhle arbeiten wolle. Der jüdische Kunsthandwerker beeilte sich auch nicht mit der Arbeit, die er mangels Handwerkzeuges mit seinem Taschenmesser anfertigte. Der Verfasser veröffentlicht diese drei Stühle in der Hoffnung, daß, wie bei früheren Aufsätzen in dieser Zeitschrift, deren Leserkreis dadurch angeregt werden wird, weitere Beispiele dieses jüdischen Kunstgewerbezweiges aufzustöbern und damit beizutragen zur weiteren Forschung auf diesem Gebiete. Nur so wird es endlich gelingen, verstreutes und, wie diese drei Beispiele lehren mögen, wertvolles Material für die Kunstbetätigung unserer Altvorderen zusammenzutragen. l) Siehe auch des Verfassers Artikel „Beschneidungsbank" im jüdischen Lexikon, I. Jüdischer Verlag, Berlin. 8) Das Lichtbild aufgenommen von Herrn S. D. Joffe, Berlin 1912. 8) Deutsche, böhmische und polnische Synagogentypen, Berlin 1915, u. a. m. Solche Schreine in Kempen, Kurnik.Sehildberg, Mattenbuden, Chodorow usw. *) „otir*, in Gen. 17, 11 ist dieses Wort plene geschrieben; das dort beigefügte Wort brith ist hier fortgelassen. (Rabin). 6) Übersetzt von Dozent Dr. Rabin in Breslau. Vgl. auch dessen Arbeit „Die Juden von Zülz", Sonderabdruck zur 700-Jahrfeier der Stadt Zülz. Breslau 1926, Verlag Jacobsohn.