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Menorah · 1928-04-01 · Heft 4 (April 1928) · p. 255

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 4 (April 1928)
Article
Arthur Schnitzler: Buch der Sprüche und Bedenken [Rezension]
Date
1928-04-01
Page
255 (sequence 2)
Language
German
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BIBLIOGRAPHIE ARTHUR SCHNITZLER: BUCH DER SPRÜCHE UND BEDENKEN. Phaidon- Verlag, Wien. „Tiefsinn hat nie ein Ding erhellt; Klarsinn schaut tiefer in die Welt." Wir kennen nunmehr zwei Schnitzler. Den Dichter, der sich manche „artistische Spielerei" gestattete, und den Denker, der den menschlichen Empfindungen und Beziehungen bis auf die Wurzel nachgeht, um diese bloßzulegen. Er sucht Klarheit selbst bei Analysen verborgenster Empfindungen und Ahnungen, so daß im ganzen Buche keine Stelle dem allgemeinen Verständnis unzugänglich ist. Ein Buch der Weisheit, das unbewußt auf Jahrtausende zurückgeht, denn der Kenner findet Analogien im jüdischen Schrifttum ältester Zeiten. Vielleicht ist es ein unbewußtes Erinnern oder auch eine Bestätigung, daß die Weisheit einzig und einig ist, nur in den Ausdrucksformen wechselnd. Wir wissen, daß alle Literaturen seit vielen, vielen Jahrhunderten aus dem Schatz der Mischna und Gemarah schöpfen, aus der Agada und aus dem Midraschim, Sagen und Erzählungen übernommen haben, ohne1 die Quelle zu verraten, die ihnen zumeist selbst unbekannt geblieben ist. Im Grundton jedoch, in der pessimistischen Weltanschauung, steht Schnitzler im Gegensatz zur alten jüdischen Weltbetrachtung, die durchaus optimistisch ist vom dritten Tage der Schöpfung an, da der Herr das Beschaffene besah und fand, „daß es gut sei", bis auf die letzten Epochen wahrhaft jüdischer Denkweise. Vielleicht weiß der Dichter auch nicht, daß seine Ablehnung alles Mystischen die Ironisierung aller, die, anstatt den Erscheinungen klar auf den Grund zu blicken, sich in mystische Andeutungen flüchten, der Einstellung unserer alten Weisen entspricht. Man muß bei Schnitzler unterscheiden zwischen seiner Einstellung zu den Menschen und zu den Fragen von ewiger Bedeutung. Welche Erfahrungen müssen an einem Manne zehren, der folgendes niederschreibt: „Die Anteilnahme der Nebenmenschen an unserem Schicksal ist Schadenfreude, Zudringlichkeit und Besserwissen im wechselnden Gemisch." Welch trostloser Niederschlag entmutigender Erlebnisse, wie sie vielleicht nur im Wien der Kriegszeit und der Nachkriegszeit möglich gewesen sind. Nicht viel hoffnungsvoller und von erschreckender Treffsicherheit ist der Ausspruch über unsere Mitschuld an der Lüge des Tages: „Was das Leben so mühevoll und so hoffnungslos macht, das ist nicht einmal die Existenz des Unsinnes und der Lüge in all ihren Formen und Graden, das Schlimme ist, daß wir immer wieder genötigt, ja manchmal gar geneigt sind, uns mit dem Unsinn, auseinanderzusetzen, als wenn ihm ein Sinn zu eigen, und mit der Lüge zu paktieren, als wenn sie guten Glaubens oder gar die Wahrheit selber wäre." Aussprüche über den Glauben und andere „Ahnungen und Fragen", die in der Novembernummer der „Menorah" an erster Stelle veröffentlicht wurden, sind von einem ganz anderen Geist beherrscht, denn dort, wo Schnitzler sich über den Zusammenhang mit den Menschen erhebt, lesen wir jene Sentenzen, die an altjüdische Lebensweisheit mahnen und die man kaum zu vergessen vermag. „Hast du die innere Abgeschlossenheit errungen, in jedem Augenblick zum Tod bereit zu sein, dann bist du auch innerlich so reich geworden, daß du selbst in der Ewigkeit keine leere Stunde zu fürchten hättest." Dieses Kapitel „Ahnungen und Fragen" schließt „Wenn du vor den Altar der Wahrheit Die neuesten Herren- und Damenstoffe |(|||||| J Ff{{(| sowohl in Auswahl, als auch in Preiswiirdigkeit unerreicht nur bei Wien, VI., """MI1 40

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