Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 4 (April 1928)
- Article
- Schach
- Date
- 1928-04-01
- Page
- Seite 254 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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254 SCHACH Geleitet von Richard R e t i Das Dr. Körner Schachturnier der „Hakoah" Wien war seit jeher eines der bedeutendsten Schachzentren, so daß hier auch einige der größten internationalen Turniere der Schachgeschichte stattgefunden hatten. Es sind dies die Veranstaltungen der Jahre 1873 (erster Sieger Steinitz), 1882 (erster Preis geteilt zwischen Steinitz und Winawer), 1898 (Dr. Tarrasch) und 1908 (die ersten drei Preise teilten Duras, Maroczy und Schlechter). Nach dem Kriege hat das Schachleben in Wien durch die Gründung des österreichischen Schachverbandes noch einen größeren Aufschwung genommen, doch erschwerte die ungünstige wirtschaftliche Lage das Zustandekommen ähnlicher Veranstaltungen. Im Jahre 1922 gab es in Wien zwar wieder ein internationales Turnier — den Sieg trug Rubinstein davon — welches jedoch nicht von berufener Stelle veranstaltet wurde und infolge der mangelhaften Leitung mit einem Mißklang endete. Der Initiative der Schachsektion des Sportklubs „Hakoah" ist es nun zu danken, daß wieder ein Turnier zustande kam, welches sich zwar mit seinen großen Vorgängern nicht völlig messen kann, aber immerhin internationalen Charakter trug. Das Turnier fand in der Zeit vom 22. Februar bis 16. März zu Ehren des langjährigen Präsidenten der „Hakoah" statt. Das Ergebnis war: Erster Preis: Reli (10H Punkte), zweiter bis fünfter Preis geteilt zwischen Becker, Liechtenstein, Spielmann, Dr. Tartakower (8H Punkte), sechster Preis: Kmoch (8 Punkte), siebenter Preis: Grünfeld (724 Punkte). Es folgten Müller, Döry, Igel, Takacs, Glaß, Beutum, Wolf. Die Sensation des Turniers war der große Erfolg Liechtensteins. Bernhard Liechtenstein ist im Jahre 1883 in Boryslavv geboren, erlernte mit 18 Jahren das Schachspiel und trat nach seiner Ubersiedlung nach Wien in die Schachsektion der „Hakoah" ein. Durch die Schulung, die er hier erhielt, hob sich seine Spielstärke so sehr, daß er in diesem Jahre die Vorkämpferschaft der „Hakoah" erringen konnte. Dennoch blieb er im wesentlichen Naturspieler und eignete sich nur die allernötigsten theoretischen Kenntnisse an. Aus diesem Grunde wurde ihm im allgemeinen für dieses Turnier keine günstige Prognose gestellt, dank seinem großen Kombinationstalent ist es ihm aber trotzdem gelungen, den überraschenden Erfolg zu erzielen. Die folgende Partie gibt ein gutes Beispiel seines Stils. Weiß: Liechtenstein 1. d2 —d4 2. Sgl —f3 3. c2 —c4 4. e2 —e3 5. e3Xe4 6. Sbl — c3 7. Lfl —e2 8. 0-0 9. Le2Xc4 10. Lei — f4 11. Lc4 — b3 12. Lf4 —g3 13. Sc3Xd5 14. Tal — cl 15. Sf3 —e5 Schwarz: Takacs Sg8 — f6 e7 — e6 c 7 — c 5 c5Xd4 d7 —d5 Lf8 —e7 0-0 d5Xc4 Sb8 — d7 Sd7 —d6 Sb6 —d5 D d 8 — a 5 Sf6Xd5 Lc8 —d7 Ld7 —b5 Damit entfernt Schwarz seinen Damenläufer aus dem Spiel und zwingt den weißen Turm auf ein besseres Feld. Es mußte 15.. . . T f 8 — d 8 geschehen, da der Abtausch des wirksamen Springers e 5 gegen den weniger wirksamen Läufer d 7 nicht zu fürchten war. Tauschte Weiß aber nicht sofort, so konnte Schwarz sich seinen Damenläufer mit Läufer e 8 erhalten. 16. Tf 1 —el Tf8 — d8 17. Se5 X f7 l..... Eine schöne, entscheidende Kombination. 17...... Kg8Xf7 18. Ddl — h5-f- Kf7 — g8 19. Te 1 X e6 Lb5 — e8 20. Dh5 — f3 Le7 — g5 Am verhältnismäßig besten war 20. . . . L f 8, worauf Weiß jedoch auch vorteilhaft mit 21. TXe8, T X e 8, 22. D X d 5 4-, D X d 5, 23. L X d 5 4nebst L X b 7 fortsetzen kann. 21. Tel — c5 22. h2 — h4 23. Lb3 X d5 24. Te6X f6 Auf g 7 X f 6 folgt Drohung Leo. Da5 — d2 Lg5 — f 6 Le8 —f 7 Lf7 Xdo 25. D X f 6 mit der 25. Df3 —g4 Dd2 — e 14- 26. Kgl —h2 Del —e4 27. Df3X e4 Ldo Xe4 28. Tf6 —e6 Td8 Xd4 29. Tc5 —c7 Ld5 — c6 30. Te6 — e7 Td4 — g4 31. f 2— f3 Tg4-g6 32. Lg3g5 Ta8 — e8 33. Te7Xg7-f Tg6X g7 34. Tc7Xg7 + Kg8 — f8 35. Le5 — c3 Te8 —e2 36. Kh2 —g3 h7 — h5 37. Tg7-g5 Lc6 — e 8 38. Ivg3 — f4 Le8--f7 39. a2 — a3 a7 — a6 40. Lc3 — b4 Kf8 —e8 41. Tg5 — eiS-h und Weiß gewann.