Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 4 (April 1928)
- Article
- Die jüdische Landwirtschaft in Bessarabien
- Date
- 1928-04-01
- Page
- 242 (sequence 1)
- Language
- German
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DIE JÜDISCHE LANDWIRTSCHAFT IN BESSARABIEN ie Tatsache, daß ein bedeutender Teil der jüdischen Bevölkerung J|_W von Bessarabien in der Landwirtschaft tätig war, hat auch auf ihr Verhalten während der Agrarrevolution eingewirkt. Die Juden standen ihr nicht so gleichgültig gegenüber, wie es in Rußland der Fall war. Viele Juden nahmen auch an den revolutionären Agrarkomitees teil. Als die Bauern überall im Kreis Belzy das Gutsland unter sich verteilten, haben sich auch die Juden der Kolonie Alexandreny, die einst auf gepachtetem Gutslande gegründet wurde und später das Land verlor, eine zusammenhängende Fläche von 1500 Hektar sehr fruchtbaren Bodens mit ausgezeichneten Wiesen angeeignet und ihr Recht gegen die Ansprüche der benachbarten Bauern verteidigt. Die rumänische Regierung erstrebte es, den Bodenbesitz der Juden zu schmälern. Die Juden haben aber ihre Rechte verteidigt und die Regierung mußte anerkennen, daß alle Bestandteile der werktätigen Bevölkerung ohne Unterschied von Nationalität und Glauben das Recht hätten, Land zu bekommen. Man konnte nicht die Juden gänzlich benachteiligen, denn sie waren mit der Landwirtschaft zu stark verbunden. Die Verdienste der Juden an der Wiederherstellung des bessarabischen Weinbaues waren auch allen bekannt. Und damit ist Bessarabien eigentlich das einzige Land in Osteuropa, wo die jüdische Bevölkerung in gewissem Maße die Agrarreform ausnützte*)- Den alten jüdischen Kolonien ist es ermöglicht worden, ihren Landbesitz zu erweitern; vielen Dorf juden wurde Land zugeteilt und auch viele Juden in den Kleinstädten haben Land erhalten. So hat es die jüdische Bevölkerung zu einem Stück eigenen Landes gebracht. Die einen haben ganze Loten", das heißt sechs Hektar pro Familie, die anderen nur halbe „Loten" erhalten. In vielen Kleinstädten hat man den Juden nur ein bis eineinhalb Hektar zwecks Pflanzung von Weingärten zugeteilt. Eine so zusammenhängende ausgedehnte Bodenfläche, wie sie die Juden von Alexandreny erhalten haben, ist doch eine Ausnahme geblieben. Es ist nur eine einzige neue *) In Rußland (in Ukraine und Weißrußland) haben die Juden nur wenig Land bei der Agraievolution erhalten. Die gegenwärtige Kolonisation ist tri^entlich nur als ein Versuch zu betrachten, das begangene Unrecht wieder gut zu machen. Reiseeindrücke von Salomon M i n e s (Fortsetzung und Schluß) Die neue jüdische Landwirtschaft