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Menorah · 1928-04-01 · Heft 4 (April 1928) · p. Seite 200

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 4 (April 1928)
Article
Das Herz des Ewigen
Date
1928-04-01
Page
Seite 200 (sequence 2)
Language
German
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200 MENORAH versteckten Täler, diese Landschaftsbilder von Spielzeugformat, diese Flächen von der Größe von Kinderspielplätzen plötzlich auf mikroskopische Maße zusammenschrumpfen und dann wieder sich ins Unermeßliche weiten? Da sind sie nur eine Hand breit, da sind sie das Weltall, da scheinen sie eine Fußbank und da ein Palast. Und von einem solchen Hintergrund hebt sich einen Augenblick lang die größte und göttlichste aller Schöpfungen ab. In der nächsten Sekunde aber verschwindet sie wieder und es bleibt nur etwas zurück, das den Hügel emporkriecht, ein Staubkörnchen, das der Wind heraufgewcht hat. Diese Anhäufungen von elenden Hütten und Trümmern, der vorüberziehenden Dörfer — wie kläglich sind sie. Aber ihre Namen sind unsterblich und die ganze Welt widerhallt von ihrem Ruhme. Der Verstand spielt mit dem Räume, begreift fast dessen geheimnisvolle Eigenart, dessen eigentlichstes Rätsel. Vielleicht haben wir es hier mit einem Trick des Schöpfers zu tun. Vielleicht war es ihm, nachdem er durch die ungeheure Leere Brücken von Feuer und lohendem Nebel geschleudert hatte, in einer Aufwallung von Schöpferlaune eingefallen, seinen ganzen Schöpferwillen in einem Kleinod zusammenzufassen und in einem Fingerhut voll Erde dasselbe Wunder zu wirken wie in dem abgründigen Nebel. „Lest", so wollte er's verstanden wissen, „in dem Herzen dieses Mikrokosmos und Ihr werdet dem Herzen der Unendlichkeit nahe sein." Und so zwängte er in ein Atom der Materie alle Wunder der Sternenkreise. Das ganze Weltall ersteht hier, die ganze Menschheit, all ihre Torheiten, all ihr Sehnen. Alle Extreme des Lebens werden von der Geschichte eines einzigen kleinen Völkchens umspannt und was immer es in der Menschheit an Schönem, Furchtbarem und Häßlichem gab, das fand hier das Urbild seiner Äußerung. Vielleicht wirkt es die Sonne. Von einem Hügel von Jerusalem sah ich zu meinen Füßen, fast noch im Schatten des Hauses, einen blauen See liegen, von Bergen umrahmt. „Gehn wir zu jenem Wasser", sagte ich. ,,Es kann höchstens ein bis zwei Meilen entfernt sein." „Es sind zwanzig Meilen bis hin und mehr", sagte man mir. „Das ist das Tote Meer." „Das kann ich nicht glauben. Die Berge am jenseitigen Ufer des Sees sind doch nicht mehr als drei bis vier Meilen von uns entfernt." „Das sind die Berge von Moab und sie sind fünfzig Meilen von hier." „Das glaube ich nicht", sagte ich wieder. „Ja, das ist auch nicht etwas, was geglaubt werden kann", war die

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