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Menorah · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · p. 191

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 3 (März 1928)
Article
Franz Werfel: Der Tod des Kleinbürgers [Rezension]
Date
1928-03-01
Page
191 (sequence 1)
Language
German
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FRANZ WERFEL: DER TOD DES KLEIN¬ BÜRGERS. Paul Zsolnay Verlag, Wien- Leipzig. Viel verborgenen Heroismus kennt der Alltag des Lebens. Hinter knappen Zeitungsnotizen, in einer Parle birgt sieh oft der Abschluß, das Geheimnis eines Kampfes, würdig der Tragödie des Gigantenslreites. Solch ein Ringen mit der größten Macht, die dem Mensehen auf seinem Erdenwege entgegentritt, dem Tode, gestallet das Erzählergenie Werfeis zum Hymnus auf das Pflichtbewußtsein des Kleinbürgers gegen Frau und Kind. Vom Tode gezeichnet, von den Ärzten aufgegeben, erzwingt die Konzentration einer Kraft, von der man nicht weiß, ob man sie noch menschlich nennen kann, oder ob sie aus höheren Sphären stammt, das Erwachen aus der Agonie: ein lebender Leichnam will nicht zur Ruhe kommen, bevor nicht längst abgestorbene Hände das leLzte Blatt vom Kalender gerissen, erloschene Augen mit endlicher Glückseligkeit das Datum des kritischen Tages erblickt haben, jenes Tages, dessen Erleben Inkrafttreten der mit den gesamten Ersparnissen erkauften Lebensversicherung und damit Versorgung der Hinterbliebenen bedeutet. Des Menschen Kampf mit dem Schicksal, das ihm und den Seinen zum Verhängnis zu werden droht, Sieg und befreiende Lösung hat Werfet in der knappen Form der Novelle meisterhaft gestaltet. ALFRED NEUMANN: DER TEUFEL, — RE¬ BELLEN. — Romane. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. In Neu m a n n ist der deutschen Literatur ein Erzähler erstanden, dessen große, geradlinige Gestaltung einer Zeitepoche sobald nicht iibertroffen werden wird. Im Roman „Der Teufel" erzählt er das Schicksal des Meisters Oliver aus Gent, der als Freund, Berater, Minister und — Dämon König Ludwigs XI. von Frankreich in das politische Geschehen so eingesponnen ist, daß jede Regung des Herzens, jede Gemütsaufwallung, der Kampf zwischen diesen beiden Menschen um die schöne Anne die politische Gestaltung eines großen Reiches entscheidend beeinflussen kann. Diese Wechselbeziehung zwischen Wohl und Wehe der Einzclpersönlichkeit und dem Schicksal einer Dynastie, dem Kampfe gegen die Übermacht des Adels und der Sorge um Millionen Untertanen, die im endlichen Sieg der Staatsraison über das Menschenherz und der daraus sich ergebenden Unterordnung alles menschlichen Fuhlens unter die politische Notwendigkeit sich dokumentiert, verleiht Meister Oliver jene dämonische Aura, die seinen Beinamen, vom Volke geprägt und selbst als Adelslitel gewählt, Sieur le Mauvais, erklärt. Die Kraft der dichterischen Gestaltung zwingt uns, all dies Geschehen so mitzuempfinden, so mitzuerleben, als wären es nicht Personen und Geschehnisse aus längst verschollener Zeit. Charaktere, Schicksale, politische Intrigen sind mit den Augen unserer Zeit gesehen und dies macht den historischen Roman zu einem lebenden Zeugnis seiner Zeit, zu einer Aktualität unserer Tage. Denn gerade jetzt ist die Frage so aktuell, ob in einem gewissen historischen Zeilabschnitt, eine Persönlichkeit, ihr Charakter und Wille von ausschlaggebender Bedeutung für die historische Entwicklung sein kann. Dies erklärt den großen Erfolg dieses Romans, dessen Auflage bald das 100. Tausend erreicht haben wird. ,,R e b e 11 e n", der neue Roman Alfred N e u m a n n s, führt in die Zeit des Kampfes der Carbonari um das einige Italien und die Abschüttlung der Fremdherrschaft. Wieder ist es das Individuum, der halblahme Musiker Gioia, dessen Sünde ihn in die Fänge der mächtigen geheimen Organisation geführt hat, so daß sein Einzelschicksal ein Teil des großen Geschehens wird. Dämonische Gewalt des Schicksals wirbelt Menschen gegeneinander, die Liebe und Haß für einander empfinden, wo politische Erwägungen von ihnen Meisterung des Gefühlslebens fordern. Der Wille der kollektiven Persönlichkeit, der Wille, der Staaten bilden und vergehen läßt, steht im Kampfe mit der Einfett fem» IühI SRifP

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