Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1928)
- Article
- Ausländer über polnische Juden im XVIII. Jahrhundert
- Date
- 1928-02-01
- Page
- 100 (sequence 1)
- Language
- German
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DR N. M. GELBER AUSLÄNDER ÜBER POLNISCHE JUDEN IM XVIII. JAHRHUNDERT Wir setzen hier die in unserer Nr. 9, V. Jhg. begonnene Veröffentlichung solcher Stellen in Reisebeschreibungen fort, die auf die Juden in Polen Bezug haben. ///. JOHANN PHILIPPE DE CAROSI1). Sein Geburts- und Sterbeort, sowie die Jahreszahlen sind unbekannt. Er hatte nach Absolvierung der Akademie in Leipzig längere Zeit in Berlin auf naturwissenschaftlichem Gebiet gearbeitet und wurde zum Ehrenmitglied des Berliner Vereines der Naturforscher ernannt. Uber Empfehlung des Geographen Perthee, der mit dem König Stanislaw August Poniatowski befreundet war, wurde er von der „Edukations-Kommission" nach Polen eingeladen, wo er in deren Auftrag mit Unterstützung des Naturhistorikers Duclos ein Handbuch der Naturwissenschaften verfaßt hatte, das im Jahre 1777 preisgekrönt wurde. In den Jahren 1778, 1779, 1780 unternahm Carosi im Auftrage des polnischen Königs eine Reise durch sämtliche Provinzen, um die mineralogischen Verhältnisse Polens zu studieren. Bei dieser Gelegenheit beobachtete auch Carosi das allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der verschiedenen Bevölkerungsklassen. Über diese Reise berichtete er in Briefen an seinen Gönner, den bekannten polnischen Staatsmann und Wirtschaftspolitiker, Grafen August Moszynski, dem er von jedem Ort in einem ausführlichen Briefe alles Gesehene und Gehörte referierend mitteilte. Diese Briefe erschienen dami in den Jahren 1781 und 1784 in zwei Teilen in Leipzig unter dem Titel „Johann Philipp von Carosi's, königlich polnischen Hauptmannes und Bergdirektors, Ehrenmitglied der königlichen preußischen Gesellschaft naturforschender Freunde in Berlin: Reisen durch verschiedene Polnische Provinzen, mineralogischen und anderen Inhalts" (1. Teil. Leipzig 1781 2. Teil, Leipzig 1784). I. Teil: S. 3. Szydlowiec: „Die Judenstadt ist ganz von Holz, nimmt aber einen viel größeren Raum ein, als der Christen ihre; die hier viel enger bey ein ander stehenden Häuser sind größtentheils in ganz gutem Zustand, allein die Gassen haben keine Ordnung und des festen steinigten Bodens ungeachtet, sind sie beständig stinkend und unflättig. Wie sehr hatte Moses Recht, die Sauberkeit seinen Brüdern zur Glaubenspflicht zu machen und wie wenig hat auch dieses Mittel gefruchtet. Nach der Ausdehnung der Judenstadt und zufolge der Gewohnheit dieses Volks, haufenweis in engen Räumen beyeinander zu wohnen, muß ihre Anzahl der Christen ihre wenigstens zehnmal übertreffen. Sie treiben hier alle nach ihren Grundsätzen reine und edle Gewerbe gleichsam ausschließend, und den Handel der hierherum gelegenen Gegend haben sie völlig in ihren Händen. Dieser besteht nicht nur in den Artikeln, welche zu uns ausser Land hereingebracht werden, sondern auch in denen, die in hiesiger Gegend erbaut und verarbeitet werden. Hierzu gehört Stab- und Gußeisen, Nutz- und Bauholz, Mühl- und Schleifsteine, welche in dem zur hiesigen Herrschaft gehörigen Dorf Pogrzota verfertigt werden, ferner Kalk, Getreide, Brandwein, Häute usw." *) Wielka Encyklopedya powszechna ilustrowana. Warschau 1893, Bd. XL S. 99.