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Menorah · 1928-01-01 · Heft 1 (Januar 1928) · p. 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 1 (Januar 1928)
Article
Die poln. Juden in den Memoiren des poln. Adels
Date
1928-01-01
Page
32 (sequence 1)
Language
German
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DIE POLN. JUDEN IN DEN MEMOIREN DES POLN. ADELS Der Konig Poniatowsli und das Ritual mär clien Stanislaus von Wodzicki (Ende d. 18. Jh.; Editio Krakow 1875, Seite 222 ff.) 1787. In Olkusz bei Krakau erzählte eiri christliches Mädchen einem Bauern, der sie im Walde auffand, ein Jude habe sie vergewaltigen oder töten wollen. Da es am Chardonnerstag war, wurde sofort ein Ritualprozeß, in Szene gesetzt. Die Senioren der Stadt wußten sich frei zu machen, im Kerker blieb ein armes Schneiderlein mit Namen Mordechaj schmachten, der durch Folter zu einem Geständnis gezwungen wurde. Dies eine Opfer war aber dem Gutsherrn Wodzicki zu wenig und er setzte alle Hebel in Bewegung, um die Kahalsenioren auch auf die Folterbank zu bringen. Die Sache kam vor das Krakauer Gericht und nun setzten sich die Krakauer Juden ins Mittel, um beim König, der eben in Krakau weilte, Hilfe zu erlangen. Jetzt lassen wir unseren Gewährsmann Wodzicki erzählen. „Es war nach dem Ball in den Tuchlauben, ich sitze in meinem Zimmer und schreibe Briefe, plötzlich kommt mein Oheim Herr Elias von Wodzicki und sagt: Kleide Dich, Herr Stanislaus, du fährst mit mir zum König!" Ich antwortete: ,,Ich erfülle gerne den Willen meines Herrn und Oheims, aber ich wurde bereits dem König vorgestellt!" — ,,Es handelt sich hier um keine Vorstellung — sagte der Onkel — sondern um die verfluchte Angelegenheit mit den Juden. Der König interessiert sich für die Sache und will darüber mit Dir Rücksprache nehmen." ,,Ich verstehe und vermute etwas!" — Was verstehst und was vermuthest du? fragte der Onkel. ..— daß die Juden sogar dorthin getroffen haben." Der Onkel schwieg, ich kleidete mich und wir fuhren in das Schloß. Wir warteten eine kurze Weile, als sich die Tür eines Seitenkabinets aufthat und der König ins Zimmer trat und mich folgendermassen ansprach: „Ich habe von ihnen nicht erwartet, dass sie nach so hohen Studien in fremden Ländern noch solch mittelalterlichen Dummheiten Glauben schenken sollen, als ob die Juden für Ostern Christenblut gebrauchen. Zwar finden wir in der Geschichte aller Völker solche Anklagen, wie auch furchtbare Strafen, zu welchen die Juden verurteilt wurden, die Bildung des jetzigen Jahrhunderts überzeugte uns aber von der Unschuld der Opfer des Aberglaubens und der Vorurteile. Ich bitte sie daher, mein Herr, die Sache in den Gerichten nicht zu betreiben.!"*) Die ernste Ansprache des Königs machte den jungen Mann nicht irre, er antwortete, es handle sich hier um die Wahrheit und es sei Pflicht der Gesellschaft diese Wahrheit festzustellen. Er allein sei von der Schuld der Juden überzeugt. Der beim Gespräch anwesende Bischof Naruszewicz bemerkte, daß sehr oft gar unschuldige Menschen verurteilt werden, besonders wenn das Gericht voreingenommen ist, und diesen Umstand haben wir in dieser Angelegenheit. Auch Graf Tyszkiewicz nahm sich der Juden an und bemerkte, dass infolge ihrer Unterdrückung unsere Städte sich nicht erholen können..." Mitgeteilt von Majer BaJahan *) König Stanislaus August Poniatowski (1764—1796) war sehr liberal. Noch, als ganz junger Mann weilte er im Jahre 1753 in Amsterdam und wurde dort von einem portugiesischen Jaden — Süasso — betreffs des in jenem Jahre sich in Krzemieniec abspielenden Patuaiprozes6es — interpelliert. Poniatowski verdammte damals den Vorgang des Bischofs Soltyk, der den Prozeß in Szene setzte. (Memoiren des Königs St. A. Poniatowski, Bd. I., Warschau 1915.)

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