Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1927)
- Article
- Ein Gang durch das Museum Jüdischer Altertümer
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 784 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2912821-2912866-2912878-2921078--05972-2921263- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
784 MENORAH Schwere und reichen Festlichkeit zu der knapp gefaßten, sachlich bedingt und groß angelegten, einfachen Umrißform der ersleren in wundervoll ausgleichendem Kontraste stehen. Der motivische Gehalt der Henkeldekorationen läßt die Entstehung des Kunstwerkes in der eleganten Epoche der Spätrenaissance um 1000 oder zu Anfang des 17. Jahrhunderts mit ziemlicher Eindeutigkeit gegeben erscheinen. Auf dem Rande trägt das Schälchcn die Inschrift: ,,Dics ist mein Bund, den ihr beobachten sollt zwischen mir und euch und zwischen deinen Nachkommen nach dir: Beschnitten soll euch werden jeder Männliche." Peter Metz. ZU DEN: BILDERN Die Abbildungen dieser Schrift — sie sind die Sinnbilder des Wollens und Wirkens unseres Vereines zur Pflege jüdischer Altertümer in Mainz: Fördernd und anregend auf die Forschung und Beschreibung der Geschichte der allehrwürdigen Gemeinde ,,Magenza" durch Sammeln und Erhallen der noch vorhandenen Zeugen der Vergangenheit der Mainzer Juden und ihrer einst im Kurstaat vereinten Nachbargemeinden zu wirken. Dieses Schaffen findet in der „Historischen Sammlung" unserer Gesellschaft seinen Ausdruck. Hier paart sich geschichtliche Wirklichkeit vermittelnder Inhalt oft gleichzeitig mit der vom Schönen ausgehenden künstlerisihen Wirkung. Die abgebildeten Dinge, die fast alle in diesem kleinen, vor zwei Jahren eröffneten Museum zu finden sind, scheiden sich somit in solche, die nur die wissenschaftlichen Aufsätze, zu denen sie oft: Anreger waren, erläuternd und erklärend begleiten und solche, die außer ihrem geschichtlichen Inhalt eine selbständige Sprache reden. Sie erzählen, wenn auch nicht immer von jüdischer Hand geschaffen, von der Geistes- und Kulturrichtung der deutschen Juden ihrer Zeit und sind in dem Aufsatz „Ein Rundgang durch das jüdische Museum in Mainz" entsprechend gewürdigt. Demnach bedarf weder das dieser Schrift vorausgeschickte Blatt aus dem Martyrologium. des Mainzer*) Memorbuches aus dem 13. Jahrhundert besonderer Erläuterung, noch begehren es die nachfolgenden Abbildungen von Grab- und Gedenksteinen, von Straßen und Bauten, von Plänen und Urkunden, noch die im reichen Maße wiedergegebenen schönen Gegenstände des Kultus aus werlvollen Stoffen und edlen Metallen. Nur die beiden Seite 772 abgebildeten Barockgefäße finden keine Erwähnung. Sic; gehören der schon im Jahre 1602 mit einem Statut ausgestalteten Mainzer Beerdigungsbruderschaft. Die schönen, handgelriebenen wSilherarbeiten sind nach ihren Zeichen zwischen 1747 und 1749 zu Augsburg, wahrscheinlich von dem Meisler Job. Jac. Biller verfertigt (vergl. Rosenberg, 1. Aufl., Seite 12 und 104). Die Schüsseln sind nach ihrer in hebräischen Leitern auf den Deckeln aufgesetzten Inschrift dem frommen Vereine als Vermächtnis eines Mitgliedes der Allmainzer Familie Reinach 1798 zugekommen. Der Üilentliehkeit und der Forschung wurden sie zum erstenmal gelegentlich der bei Eröffnung unserer Sammlung veranstalteten Silberschau aus Privatbesitz gezeigt. Dinge planmäßig zu verzeichnen, die einer öffentlichen Sammlung aus Gesichtspunkten achlungsgebielendcr Pietät oder notwendiger Denkmalspflege oder aus anderen unumgänglichen Gründen nicht für immer zugeführt werden können, gehört zu den wichtigsten Aufgaben derer, die sich um die junge, erst um die Jahrhundertwende von einem Nicht jaden, Professor Frauberger in Düsseldorf, geweckten Pflege jüdischer Altertümer mühen. Mögen in allen deutschen Gauen bald Vereine sein, die nicht nur jüdische Kunstdenkmiilor sammeln, sondern zielbewußt in ihrer engeren Heimat der Wissenschaft den Weg bahnen zu dem noch fehlenden erschöpfenden Sammelwerk ,.Die jüdischen Kunst- und Kulturdenkmäler in Deutschland". Karl Ladenhurg. *) Hebr. Bezeichnung vergl. Jahrb. cl. J.-Litt. G., XVIII., S. 203 ff.