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Menorah · 1927-12-01 · Heft 12 (Dezember 1927) · p. 752

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 12 (Dezember 1927)
Article
Dr. Josef Hamburg
Date
1927-12-01
Page
752 (sequence 1)
Language
German
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DR. JOSEF HAMBURG Ein jüdischer Arzt in ftdainz zur Kurfürstenzeit Zu allen Zeilen zeichnele das jüdische Volk das Streben nach Wissen und Bildung aus. Lange ehe der Buchdruck das Studium erleichterte, ging jüdisches Schrifttum von Mund zu Mund. Und welche Wissenschaft wäre im Talmud, ,,der mündlichen Lehre", nicht vertreten? Besonderer Neigung erfreuten sich schon frühzeitig die Astronomie und die Medizin. So hoch schätzte man die ärztliche Wissenschaft im Judentum, daß man ihre Träger, auch wenn sie religionswisscnschaftlich nicht hervorragten, durch den ..Chower"-Tilel auszeichnete. Jüdische Ärzte genossen in der spanischen Glanzzeit hohes Ansehen. Fürsten und Päpste erwählten sie als Leibärzte. Im mittelalterlichen Deutschland freilich wurden die Juden in der Ghettoluft zurückgehalten und von der profanen Bildung abgeschlossen. Kaum 150 Jahre sind verflossen, seit ihnen das Studium an deutschen Universitäten wieder erschlossen wurde. In Mainz, in kurfürstlicher Zeil, widmete sich als einer der Ersten Josef Hain b u r g dem Studium der Medizin, das er mit Auszeichnung absolvierte, um sich in Mainz, seiner Vaterstadt, als Arzt niederzulassen. Er promovierte mit einer Arbeit „De arthrilide"*), die dem Kurfürsten gewidmet war. Kurfürst Erthal, ein wohlwollender, aufgeklärter Mann, halte die Studentenschaft in den Akademiesaal seines Schlosses geladen; auch Hamburg war unter den Gästen, aber an den Freuden der Tafel nahm der gläubige Israelit nicht teil. Dies entging dem Fürsten nicht, der ihn nach dem Grunde seiner Enthaltsamkeit befragte und ihm alsdann empfahl, seiner Gesinnung treu zu bleiben. Humburg wurde ein geschätzter Arzt in schwerer Zeil, als nach den Freiheilskriegen epidemische Krankheiten die alte Festung heimsuchten. Auch nach Frankfurt wurde er öfters berufen, wo sein Name wegen seiner ärztlichen Kunst, aber auch durch seine verwandtschaftlichen Beziehungen — seine Gattin war eine geborene Wimpfen aus Frankfurt — wohlbekannt war. Im Jahre 1761 geboren, starb er 54jährig im Jahre 1815. Eine aufreibende'JTäligkeit ganz dem Wohle der Mitmenschen geweiht, ließ ihn kein hohes Alter erreichen. Einer seiner Söhne, Marcus Hamburg, studierte in Heidelberg und Gießen und üble gleich dem Vater in Mainz ärztlichen Beruf aus. Er starb im Jahre 1840 unvernüihlt. Von den Nachkommen der anderen Söhne ist niemand mehr in Mainz ansässig. Nur die Enkel und Urenkel seiner mit dem Bankier Isaak Fulda vermählt gewesenen Tochter leben noch in hiesiger Stadl, __ /• /• *) Aufbewahrt in der Mainzer Stadtbibliothek, an welche die Bibliothek der früheren Mainzer Universität übergegangen ist. MAINZER REDENSARTEN Ein alter Mainzer pflegte die biblische Warnung: ,,Hischomer pen . .■so anzuwenden, daß er „pen" als englisches Wort (Feder) gebrauchte und damit zum Ausdruck brachte, daß man sich vor schriftlichen Verpflichtungen hüten soll. Die Toleranz der letzten Kurfürsten dankbar gedenkend, äußerte ein Mainzer Gemeindemitgliecl zwischen 179.'$ und 1797: „Wehm jihje olenu kezel" (Jos. 29), wobei er die hebräischen Buchstaben: kof, zade, fe des Wortes „kezef" als Anfangsbuchstaben für die Übertragung: Kaiser (von Österreich), zorfas (Frankreich) und Preußen anwendete. Wenn jemand kurz vor dem Bankrott stand, pflegte man von ihm zu sagen: „Er hält bei mögen ovaus" (also in der Nähe von wajechullu, wo die Arbeit beendet ist).

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