Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 11 (November 1927)
- Article
- Der Wettkampf um die Weltmeisterschaft
- Date
- 1927-11-01
- Page
- 695 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2912821-2912866-2912877-2920886--05796-2920998- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Geleitet von Richard R e t i Der \\ ettkampl um die "Weltmeisterschaft Der Weltkampf zwischen Capablanea und Alekhine, welcher gegenwärtig um den Weltmcislerschaftslilel in Buenos-Aires ausgetragen wird, muß als das bedeutendste schachspoiiliche Ereignis der letzten Jahre betrachtet werden. Allerdings hat dieses Match einen wesentlich anderen Charakter als die größten Wertkämpfe, in welchen vor einigen Jahrzehnten Sleinitz den Weltmeistertilel gegen Gegner wie Zuckertort, Blackburne, Tschigorin und andere behauptete. Wenn man diese Wellkümpi'e studiert, gewinnt man den Eindruck, daß seine Gegner eigentlich die besseren Spieler, die größeren Talenle waren, aber sich doch vor der überlegenen Intelligenz, vor dein größeren Denker und Schachdenker auf die Dauer beugen mußten. Mit dem Supremat Capablancas ist es eine andere Sache Er ist unbestritten heute der größte Schachspieler und der vollendete Sehachspoiismann. Seine Überlegenheit beruht darauf, daß er anscheinend keine Nerven besitzt, niemals ermüdet, keine Versehen macht, seine Kraft immer zur Verfügung hat, wenn er sie braucht. Das Zusammentreffen der feinnervigen europäischen Schachmeister, welche alle mehr den Typus des Künstlers repräsentieren, mit. Capablanea, machte für Anhänger des künstlerischen Schachs bisweilen den traurigen Eindruck, als ob man mit lebenden Gehirnen gegen eine feste Wand anrennen wollte. Das trotz alldem schon bisher staunenerregende Resultat, daß Alekhine sich nicht nur behaupten, sondern sogar einen vorläufigen Vorsprung von einem ganzen Zähler erringen konnte, läßt die Hoffnung als berechtigt erscheinen, daß erfreulicherweise auch im Schach auf die Dauer Phantasie und künstlerische Schöpferkraft über noch so vollendete Technik zum ri riumph gelangen könnte. Wir lassen die siebente Partie des Wellkainpfes folgen. Weiß: Capablanea Schwarz: Alekhine 7. Ma t ch p a r Ii e. 1. d2~d4 d 7 — d 5 2. c2 - c4 e7—c6 3. Sgl f3 S b 8 d7 4. Sbl c 3 Sg8 f (> 5. Lei - - gö c 7 cö 6. e2 - e 3 D d 8 a 5 Die Cambridge Springs Variante. mit welcher Schwarz den Beweis liefern möchte, daß der übliche weiße Fesselungszug Lei—gö ein verfrühter Angriff war. Der SfC> ist nun entfesselt, Schwarz greift am Damenllügei an. um davon Vorteil zu ziehen, daß der Damenläufer vom Damenflügel entfernt ist. Schwarz droht nun Sf(>—e4. Das eigentliche Problem der Verteidigung des Damengambits liegt aber in der Schwierigkeit, den schwarzen Damenläufer ins Spiel zu bringen, und es scheint, daß dieses Problem trotz der vorübergehenden Initiative, die Schwarz entwickelt, mit der Cambridge Springs-Verteidigung nicht gelöst wird. 7. S f 3 d2 ..... Die beste Verteidigung gegen den schwarzen Angriff. Allerdings muß Weiß jetzt auf die ungedeckte Stellung seines Damenläufers bedacht sein, er darf zum Beispiel im zweitnächsten Zug nicht 9. Lfl—d3 spielen, da Schwarz mit d5Xc4 eine Figur gewinnen würrle. eine Falle, in welche unerfahrene Spieler mit großer Regelmäßigkeit hineinfallen. 7...... Lf8 — b4 8. D d 1 - c 2 0 - 0 9. Lg5 — h4 ..... Bringt den Damenläufer in Sicherheit, um mit Lfl—d3 fortsetzen zu können. Wenn Schwarz nun seinen Angriff nicht fortführen kann, ist er klar im Nachteil. So ist der folgende, etwas riskante Zug Alekhins zu versieben. 9...... e 6 c 5 Eine andere, aber weniger energische AngrifTsniöglichkeit war hier Sfß — e4. 10. Sd2 b3 Da5 a4 Es gibt für die schwarze Dame kein völlig befriedigendes Feld. Auf a4 steht sie aggressiv, da sie den Sb3 fesselt, und da nach