Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 11 (November 1927)
- Article
- Beth-El
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 681 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE SYNAGOGE BETH-EL 681 Gelehrsamkeit als Askese — das hat sie verhindert, volkstümlich zu werden. Von Flüchtlingen aus Spanien angeregt, schuf der Gründer der Sekte, der galiläische Meister Ha-A r k seine Lehre. Sein Schüler Maarchu hat sie in dem Werk ,,Die acht Türen" niedergelegt und seine eigenen Gedanken im „Baum des Lebens*' hinzugefügt. Die Lehre kam nach Jerusalem und fand eine kleine Gemeinde in Beth-El. Unter dem genialen Schaarabi wurde diese groß und mächtig und fast hundert Jahre lang war sie eine der stolzesten von Jerusalem. Die sephardischen Chassidim von Beth-El unterschieden sich von den aschkenasischen Chassidim hauptsächlich in folgenden Punkten: 1. Während die europäischen Chassidim ihren Rebben gew isser- maßen idolisieren und ihn zwangen, praktische Kabbala zu treiben (Wundertaten, Amulettschreiben usw.), waren diese Dinge bei den sephardischen Chassidim verpönt. 2. Das wilde Singen und Tanzen wurde von ihnen abgelehnt, wie sie auch von Sabbatai Zew-i wegen seines bacchantischen Gottesdienstes nichts hatten wissen wollen. Seligkeit und stille innere Freude wurde in Beth-El durch stummes Nachdenken erreicht, von begleitender Musik zur Ekstase gesteigert. 3. Die Chassidim von Beth-El kannten keine Aversion gegen Rabbinismus und Gelehrsamkeit, wie sie für den osteuropäischen Chassidismus charakteristisch ist, im Gegenteil. Daher gelang ihnen das Erstaunliche: sie vereinigten Aschkenasim und Sephardim, Misnagdim und Chassidim in ihrem Bethause, so daß zum Beispiel der Oberrabbiner von Jerusalem während der zehn Bußetage in Beth-El zu beten pflegte. Weitaus der größte unter den Führern der Gemeinde war S c h a ar a b b i, ein Yemenite geringer Herkunft, zur Zeit der tiefsten Erniedrigung der yemenitischen Judenschaft geboren. Sein Leben war sein größtes Werk, aber er hat auch ein Buch geschrieben, ,,Dcr Strom des Friedens'4. Eine Unzahl von Anekdoten und Legenden spann sich um den merkwürdigen Mann, ganz wrie um den Baal Schein, aber leider sind sie nur durch mündliche Überlieferung auf uns gekommen und im Begriffe, verloren zu gehen. Denn die großen Tage von Beth-El sind vorüber, ein kleines Grüppchen nur hält die Tradition aufrecht, und die große Synagoge selbst ist zur Ruine geworden. Das Erdbeben vom Juli dieses Jahres hat ihr wohl den Todesstoß versetzt. Gekürzte Übertragung aus dem Englischen {Menorali Xeir York) von Paula Arnold