Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 11 (November 1927)
- Article
- Beth-El
- Date
- 1927-11-01
- Page
- 678 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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BETH-EL, die Synagoge der sepliardischen Chassidim von Jerusalem Von Ariel B e n z i o n Als kleiner Junge schritt ich ernst neben meinem Vater einher durch die Glissen des alten Jerusalem, vorbei an den fleißig arbeitenden Menschen in den Basaren und den müßig umherlungernden in den Kaffeehäusern. Ich ging still, aber voll Erwartung, auf jene Türe zu, durch die man die Welt des Geistes und der Phantasie betrat. Für die Kinder der anderen gibt es Elfen und Feen, Drachen und Riesen, die geheimnisvollen Lockungen des Landes Nirgendwo. Für den kleinen Judenjungen in Jerusalem gab es einen zauberhaften Raum, wo er mit den Erwachsenen in Höhen entschwebte, wie sie nur den Weisen und den Kindern zu erreichen beschieden sind. Vater und ich gingen die Stufen hinauf, in eines der oberen Zimmer, wo auf niedrigen Diwanen Männer in fließenden weißen Gewändern aus chinesischer Seide oder weichem Kaschmir saßen, mit bunten persischen Turbanen auf dem Kopfe. Auf kleinen Tischlein vor ihnen lagen offene Bücher, deren glänzende Lettern, von ehrfürchtigen Pfänden gemalt, in den geheimnisvollen Variationen des Namens JliWII schimmerten. Von der gewölbten Decke herab hingen kunstvoll gearbeitete silberne Lampen und gössen ein mildes Licht auf die stummen weißen Gestalten. Der Meister, den sie Raw Ha-Chassid nannten, ließ die Stille in begeistertes Gebet übergehen und seine Stimme klang bald weich und melodisch, bald hoch und hallend, bald tief und schmelzend. Wenn die sinkende Sonne die blauweißen Wände rosig färbte, erhoben sich Raw und Mechawenim und stimmten das „Lied der Braut."" an. Gemessen wiegte sich der Kreis, in seine Tallithim eingehüllt, rund um die Tewah (das Pult des Vorbeters) stehend. Allwöchentlich, ehe der Sabbat tagte, folgten wir der Laterne des alten Hadschi Yassim. Er war der Schabbes-Goi von Beth-EI und seine Laterne leuchtete uns zur Tewilah, dem Reinigungsbad; er plapperte unaufhörlich, und zwar in gutem Hebräisch, während wir durch die gewundenen unterirdischen Gänge schritten. Auch an Wochentagen begleitete ich meinen Vater oft vor Sonnenaufgang nach Beth-El. Unter unseren Füßen klang gedämpftes Murmeln — es kam aus den Synagogen, die sich in unterirdischen Höhlen bis Beth-El hin erstrecken. Die Türe des Bethauses war in helles Licht getaucht, aber der Stiegenschacht war dunkel. Oben herrschte Friede und Stille. Das