Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1927)
- Article
- Vom Livjathan
- Date
- 1927-10-01
- Page
- Seite 627 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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V O M L I V J A T H A N 627 sehnt sich auch nach Weisheit. Und da er weiß, daß der Fuchs an Klugheit alle anderen Tiere übertrilH, trachtet er ihm nach dem Leben, um sich dadurch auch seine Klugheit anzueignen. Gott erlaubt dem TodesengeL daß er von jeder Tiergatt im g ein Paar dem Livjathan ins Meer werfe. Der Fuchs zeigt dem Engel seinen Schatten im Wasser, da glaubt er, der Fuchs sei schon dort, so gelingt es ihm, zu entrinnen. Dies erfährt das Wiesel und rettet sich auf dieselbe Weise. Livjathan versammelt alle Tiere seines Reiches, da vermißt er den Fuchs. Er schickt Fische aus, um ihn zu holen. Sie linden ihn am Meeresufer und laden ihn zu sich ein, denn der Livjathan wolle ihm die Macht über die Tiere übergeben. Der Fuchs gehl in die Schlinge, sieht aber noch rechtzeitig seinen Fehler ein. Er erfährt von den Fischen, der Livjathan wollte sein Herz fressen14], damit er auch seine Klugheit erlange. Da sprach der Fuchs: „Warum sagtet ihr nicht gleich, was ihr wollt, so hätte ich mein Herz nicht zu Hause gelassen. Lasset mich zurück, und ich bringe mein Herz mit.'" Sie ließen ihn los und er ließ natürlich auf sich warten. Wenn auch der Plan gegen den Fuchs scheiterte, können dem Livjathan große Sprachkenntnisse und andere Gelehrsamkeit nicht abgesprochen werden. Besonders ist hervorzuheben, daß sich bei ihm kein einziges Zeichen von Grausamkeit oder Blutgier vorfindet, hingegen bekundet er besondere Neigung zur Tugend und Gerechtigkeit. Diese edlen Züge mögen folgende Geschichten veranschaulichen: ,,Wirf dein Brot aufs Wasser, nach vielen Jahren wirst du es ünden", sagt der Prediger (11, 1). Ein Vater schärfte dies seinem Sohne ein und nach seinem Tode ging der Sohn täglich ans Meer und warf Brot hinein. Da kam ein Fisch, täglich derselbe, und fraß das Brot. Davon wurde er so groß und stark, daß die anderen Fische vor ihm keinen Bestand hatten. Sie gingen zum Livjathan und führten Klage. Dieser läßt ihn durch einen Fisch vor sich laden, aber der Angeklagte verschlingt jedesmal den Boten, so daß Livjathan sich persönlich zu ihm bemühen muß und vor allem darüber Aufklärung verlangt, wie er so groß werden konnte. „Am Meeresufer", lautet die Antwort. —- ..Wie. die Fische in der Tiefe sollten nicht so groß wachsen können, wie du am Ufer?" — „Nein, denn mir bringt ein Mensch täglich Brot und außerdem verzehre ich jeden Morgen 20 und jeden Abend 30 Fische/" — ..Und warum verschlingst du deine Genossen?'" — „Weil sie zu mir kommen, und übrigens steht ja geschrieben: .Du sollst dich vor deinem Fleische nicht verbergen.*1* (Eine witzige Auslegung von .los. 58, 7.1 - — ..Nun bringe mir einmal diesen Mann", befiehlt Livjathan. — „Gut. morgen ist er da.*" Der Fisch schwimmt ans Ufer, wo der Mann zu stehen pflegt, gräbt eine Höhle und steckt den Schnabel hinein. Der junge Mann kommt hin, fällt in die Höhle, der Fisch verschlingt ihn und bringt ihn vor Livjathan. „Speie ihn aus'*, befiehlt er. Es geschiebt und Livjathan verschlingt ihn. Jetzt richtet er an den Mann die Frage: ..Warum hast du dein Brot ins Wasser geworfen?*' — ..Weil es mich mein Vater von frühester Jugend an gelehrt hat", anwortete er. Da gab ihn Livjathan frei, küßte ihn und lehrte ihn siebzig Sprachen,