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Menorah · 1927-10-01 · Heft 10 (Oktober 1927) · p. 617

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 10 (Oktober 1927)
Article
Issai Kulviansky
Date
1927-10-01
Page
617 (sequence 1)
Language
German
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Issai Kulviansky Dieses junge, früh sieh entfallende Talen! formt schon als Fünfzehnjähriger so faszinierende, in Flächenbehnndlung wie Formgebung interessante Plastiken, wie die ..Talmudisten" und ..Litauischer Jude", deren erslcre heute im Moskauer Jüdischen Museum stellt. Kulviansky stammt aus Litauen; 1894 in Janow bei Kownow geboren, zuerst Aulodirlakt. besucht er seit 1910 die Wilnaer Malerschule und studiert von 1912 ab in Herlin bei Professor Hugo Kaufmann. Später geht er nach Paris und Prag und lebt seil 1924 wieder in Herlin. Hier gehört er seither der in der modernen Kunst vorwärtsdrängenden und eigenwilligen No\embergruppe an. die eine Reiht1 zum Teil zwar problematischer, alier recht bedeutender Begabungen umfaßt. Kulviansky befreite sich sehr bald von programmatischen Fesseln und den Wegen abstrakter Malerei und verband glücklich die gewonnenen expressionistischen Eindrücke —- ausdrucksvolle Farbe. aneinandergefügte, fesluingrcnzfe. Flächen und zum Großen strebende Anschauung — mit dem eigenen Temperament, einer kühnen und sicheren Erfassung des Motivs und liefgreifender Ausdrucksgabe. Sein Hauplgebiel blieb das Porträt. Wir linden in einzelnen seiner Werke (wie bei vielen Expressionisten) Einflüsse der Gotik, dieser eisten expressiven Kunst, die mit ihrer Neigung zum Primitiven. Einfachen, ja. Naiven, modernen Strebungen Vorbilder gab. ..Der Tod des Zimmermanns", hierfür ein überraschendes Beispiel, ist zugleich bezeichnend für die, Eigenständigkeit dieses Künstlers: kraftvoll-herb und durchgeistigt zugleich, erdhaft und einfach-fromm. Meisterhaft ist hier das Kantige. Eckige. Schroffe versöhnt mit dem Weichen, Wallenden. Fließenden der Linien. Fortschreitend auf dieser Linie: die neueren Gemälde ,,Meine Frau" und ..Mein Töehterehen Kiki", die mit sachlicher Einfachheit und feiner psychischer Deutung die Empfindung des Künstlers geben. Man kann diese Bildnisse der jüngsten Richtung der Porträlmalerei zurechnen, die man als ..magischen Realismus" bezeichnet hat. Der Vortrag liebt stilisierte Flächen und betont klare. Fmrißlinien. eine strenge, bisweilen sogar starre Sachlichkeil, gesteigert durch überrealistische Ausführung von Einzelheiten, läßt aber die Gesichter der Dargestellten (wesentliche Einzelzüge heraushebend) in tiefer malerischer und geistiger Deutung um so wirkungsvoller vom Milieu sich abheben. Auf diesem Wege sucht die junge Malerei eine Verbindung der Geschmacksrichtung unseres nüchtern-technischen Zeitalters mit den Forderungen der Kunst. Issai Kulviansky gehört zu denen, die den starken freien Sinn für das Neue haben, für das Kommende, das sich anbahnt und die es mit ebensoviel Mut wie Begabung verkünden. In dem Bildnis ,.Jüdischer Tischler" hat er seinem Vater ein Denkmal gesetzt und mit den Miltein junger Kunst die Welt seiner Heimal und einer heilig gehaltenen Tradition ergreifend gestaltet. Will Pleß. Erwin Singer Der junge Wiener Maler Erwin Singer strebt in seinen Schöpfungen der Harmonie von Form und Farbe zu. Seine gute zeichnerische Durchbildung läßt, ihn der Verlockung, ins Artistische oder Modische zu verfallen, widerstehen. In den Porträts spiegelt sich ein starkes, geheimnisvolles Innenleben wider. Singer steht am Beginne einer verheißungsvollen Laufbahn, für die die Vorbedingungen, Können und Charakter, schon jetzt in seinen Werken zu erkennen sind. Ein längerer Aufenthalt in Paris, das Studium der Schöpfungen der französischen Malerei beeinflußt Singers Kunst besonders in den letzten Landschaftsbildern. Grete olf-Krakauer zeigt in Wien (Kunstsalon Würthle) eine Auswahl ihrer Palästina-Bilder (September- Oktober).

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